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Flughafen Tegel – Danke TXL

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Am 8.11.2020 war es also soweit; der Flughafen Tegel verabschiedete den letzten Flieger. Es war eine Maschine der Air France, die wie zur Eröffnung zum Flug nach Paris abhob. Was der Flughafen für mich bedeutet hat, beschreibe ich in diesem Artikel.

Meine erste Begegnung mit dem Flughafen Tegel

Im November 1989 war ich zum ersten Mal am Flughafen Tegel. Ich war 15 Jahre alt und überhaupt zum ersten Mal in „West-Berlin“. Bis dahin kannte ich nur den Flughafen Berlin Schönefeld und den Flughafen im sächsischen Dresden.

Zu dieser Zeit war es dort keiner deutschen Fluggesellschaft möglich, zu starten oder zu landen. Das Besatzungsrecht erlaubte in Berlin nur den Franzosen, Engländern und Amerikanern von und nach Berlin zivilen Luftverkehr anzubieten.

Ich las zum ersten Mal so vielversprechende Ziele wie London, Paris, Madrid und New York auf der Tafel. Bisher waren mir aus Schönefeld nur Ziele wie Moskau, Warschau und Varna bekannt. Die deutsche Tochter der British Airways verwöhnte uns im Terminal mit Coca Cola, Snacks und kleinen Präsenten. Danach gingen der Flughafen und ich bis in die 2000er eher getrennte Wege. Meine erste Reise allein nach Gran Canaria (1994) startete nicht am Flughafen Tegel, sondern in Dresden und mein erster Flug nach Ibiza (1990) startete in Schönefeld.

Erst zur Hochzeitsreise nach Bali begann die Reise auf dem Flughafen Tegel. Es ging mit der Lufthansa nach Frankfurt und von dort brachte uns Thai Airways nach Asien und auf die Südhalbkugel.

Flughafen Tegel in Berlin – mein Flughafen?

Ich hatte das große Glück zwei Dienstreisen noch auf dem Flughafen Tempelhof (dem Zentralflughafen) beginnen zu dürfen. Schnell erreichbar, gut mit Bus, S-Bahn und U-Bahn angebunden war dieser Flughafen schon aufgrund seiner Lage mein heimlicher Liebling. Unsere „Liebe“ konnte aber nie richtig gedeihen, denn im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den BER war klar, dass der Flughafen Tempelhof zuerst geschlossen wird.

Da die Zeit meiner vielen Dienstreisen noch nicht gekommen war, war mir das Geschehen um die Flughäfen Tegel und Schönefeld ziemlich egal.

Erst in den vergangenen fünf Jahren hat sich meine Haß-Liebe zum Flughafen Tegel entwickelt.

Von dort starteten unsere erste Reise in die USA im Jahr 2010 und bei der Rückkehr stellte ich mir die Frage, wo die Zeitreise begonnen hat, denn unser Rückflug mit Delta brachte uns von Orlando über New York direkt zu dem im Vergleich recht provinziellen Flughafen Tegel.

Impressionen vom Erstflug der Easyjet vom Flughafen Tegel nach München

Im Jahr 2015 begann am Flughafen Tegel unsere zweite USA Reise.

Im darauf folgenden Jahr machte mich ein Jobwechsel zum „Vielflieger“. Nahezu wöchentlich startete ich am Flughafen Tegel nach Köln, Düsseldorf, München oder Stuttgart. Ich erlebte das Ende von Air Berlin mit, war Fluggast auf der ersten EasyJet Maschine von Tegel nach München und habe nach der Ankunft so manches mal auf eine Gangway oder auf mein Gepäck (gern bis zu zwei Stunden) gewartet.

Was wird mir fehlen?

Eines zeichnete den Flughafen Tegel aus – die sehr kurzen Wege. Sowohl im Terminal A, als auch in den anderen Terminals waren die Wege vom Check in über die Sicherheitskontrollen zum Gate angenehm kurz.

Außerdem wird mir der Charme der 70er Jahre fehlen, der diesen Flughafen umwehte. Alles wirkte etwas angestaubt.

Vor allem wenn es mal nicht die erste Maschine sein musste, hatte Tegel auch mal den Hauch von Internationalität. Die Flieger nach New York, China, in die Türkei oder in die Emirate ließen Fernweh aufkommen.

Wenn der Start am Berliner Olympiastadion vorbeiführte und ich wieder einen Fensterplatz ergattern konnte, habe ich mein zweites Wohnzimmer von oben gesehen. Das war jedes Mal ein toller Anblick.

Was wird mir nicht fehlen?

Der Flughafen Berlin Tegel wurde in Betrieb genommen, als Berlin eine geteilte Stadt war. Die S-Bahn wurde aus dem Osten betrieben und kontrolliert. Somit wurde keine Anbindung zum Flughafen gebaut. Auch die U-Bahn hat keine direkte Anbindung realisiert, so dass nur der Bus, das Taxi oder der eigene PKW zur Anreise in Frage kamen. Gut, einmal bin ich vom Westhafen zu Fuß zum Flughafen, aber das lag an einem Streik im ÖPNV. Wenn ich wieder mehr Reisen werde, wird mir das schlechte Verkehrskonzept nicht fehlen.

Gerade in den letzten Jahren, beginnend mit der Pleite von Air Berlin war auch die Servicequalität immer schlechter geworden und weder Wisag noch der Betreiber haben das je wieder in den Griff bekommen. Ich stand so manches mal am Gepäckband und wartete gern eine Stunde und mehr auf mein Gepäck und das kombinierte sich zu gern mit dem Warten auf eine Gangway oder einen dieser Busse, die einen die 25 Meter vom Flugzeug zum Terminal transportierten.

Abschied vom Flughafen Tegel
Abschied vom Flughafen Tegel

Was bleibt vom Flughafen Tegel?

Erinnerungen, wie ich sie in diesem Artikel zusammengefasst habe, bleiben auf jeden Fall. Es begannen dort Abenteuer und viele schöne Reisen. Ich trank dort regelmäßig Kaffee in der Lounge von Air Berlin und ich habe dort auch mal über 100€ fürs Parken bezahlt.

Ich gehöre zu denen, die heute sagen, das Tegel nicht hätte am Leben erhalten werden können, denn allein die schlechte Anbindung an den ÖPNV ist ein Argument gegen den Flughafen.

Der BER im Süden Berlins – für Schlaumeisen – genauer in Brandenburg wird sich bewähren müssen. Hier kann ich zumindest mit der S-Bahn, dem RegionalExpress und dem Bus anreisen, eine U-Bahn Anbindung wird intensiv diskutiert.

Danke TXL, Danke Flughafen Tegel!

Es heißt zu recht „Danke TXL“, denn dieser Flughafen war für die Berliner das Tor zur Welt. Der Flughafen Tegel darf jetzt in die Nachnutzung übergehen und Raum für Menschen zum Wohnen, Leben und Arbeiten schaffen.

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