Wasser, verdammt viel Wasser!

Reisetagebuch unserer USA Reise Tag 14 28.07.15

Nun sind wir vierzehn Tage in der Weltgeschichte unterwegs, aber heute sind wir verdammt nah am Wasser gebaut. Aber eins nach dem anderen…

Nachdem sich am Abend der erste Schock wegen unseres Hotels gelegt hatte, starteten wir gut ausgeruht in den neuen Tag. Im Bad floss das Wasser zum duschen und Zähneputzen und gut erfrischt ging es zum Frühstück. Im Denny’s haben wir zum ersten Mal ein Frühstück mit dem Kaloriengehalt eines ganzen Tagesbedarfes genießen dürfen. Johanna und Jasmin hatten jeweils drei Pancakes, dazu Joghurt und Rührei. Für die Erwachenen gab es Pancakes (mit viel Süß und Topping), Bacon, Bratwurst, Ei (Spiegelei für den Herren, die Dame wählte Rührei) und Kartoffelrösti… Kaffee und für die Kinder Milch waren dabei. Thomas unser Kellner hatte ordentlich zu tun, war dabei aber ausgesprochen freundlich. So gestärkt konnte der Tag an den Niagarafällen beginnen.

5.000 Badewannen pro Sekunde

Die ersten Minuten an den Niagarafällen lesen sich in den Notizen der besten Ehefrau von allen so:

Wow, wow, wow, unglaublich, fantastisch, großartig, irre, der Wahnsinn ….. Das alles und noch viel mehr beschreibt unseren Eindruck

Kennt Ihr das Gefühl, wenn Ihr an einen Ort Eurer Träume kommt und alles real wird und besser ist, als Ihr Euch das vorstellen konntet? So ging es uns, als wir das Wasser der Fälle sahen. Wir hatten von der Größe gelesen, wir haben Bilder und Filme über die Niagarafälle gesehen, nun sind wir hier. Wir sehen diese Unmengen an Wasser, die sich mit Getose an den Fällen ergießen. Wir sehen die Boote, die von der kanadischen und der US Seite immer wieder die Leute ganz nahe an die Fälle heranbringen. Wir können die Fälle fast berühren.

Wenn die Menge von 5.000 vollen Badewannen pro Sekunde zwischen 20 und 50 Meter tief stürzen, dabei Regenbögen entstehen, Wolken aufsteigen, dann kann man einen Eindruck gewinnen, welche Kraft Wasser hat.

Was haben wir heute alles vor?

Der Tag heute ist ausschließlich für die Niagarafälle geblockt:

  • Wir wollen mit einem Boot ganz dicht an die Niagarafälle heranfahren.
  • Wir wollen nach Kanada laufen.
  • Wir wollen wieder zurück in die USA laufen.
  • Wir wollen die Treppe der Winde runter.
  • Wir wollen im HRC auf der US Seite essen.
  • Wir wollen das viele Wasser genießen.
  • Wir wollen viele Fotos machen.

All das soll in einem Tag untergebracht werden.

Es geht auf’s Wasser!

Zunächst müssen wir uns von diesem rauschenden und berauschenden Anblick der Niagarafälle lösen und uns die Eintrittskarten für Maid of the Mist kaufen. Das sind die Bootstouren, die einen ganz nah an die Fälle bringen und bei denen man voll im Wasser steht. Unseren lieben Freunden Nicki und Björn ist es zu verdanken, dass wir auch auf dem Boot Aufnahmen machen konnten. Hier konnten wir uns eine wassergeschützte Kamera ausleihen, die nun auch hier endlich zum Einsatz kam.

Danke liebe Nicole F.! 🙂

Zunächst konnten wir auf einer Plattform einen neuerlichen Blick auf das viele Wasser werfen, das hier in die Tiefe stürzt. Dank einer Gruppe aus Niedersachsen entstand auf der Plattform ein Familienfoto, im Gegenzug habe ich die Truppe auch bildlich festgehalten. Anschließend bewegten wir uns in Richtung Aufzug, denn jetzt wollten wir mit dem Boot in den Nebel fahren. Im Aufzug wies mich ein Guide auf meine offenen Schnürsenkel am Rechten Schuh hin – hörbar und verständlich für alle Fahrgäste. Ein wunderbarer Moment, der nur davon gestoppt wurde, dass eben dieser Guide mir – wieder hörbar für alle – den Rat gab als nächstes meine Schnürsenkel zu schließen. Ich nahm mir diesen Rat zu Herzen. Nun hieß es alles vor dem kommenden Wasser zu schützen. Also Kamera einpacken, Handy verstauen und den Regenschutz über den Rucksack ziehen. Anschließend habe ich dann auch den Schnürsenkel am linken Schuh neu gebunden – sicher ist sicher. 😀

Ein Blick auf die Schlange vor uns ließ uns kurz schaudern. Ne Menge Leute wollen wohl mit dem Boot fahren. Zu unserer Freude legt dann ein Boot an und die Schlange reduzierte sich sehr schnell. Auf dem Weg zum Anleger wurden uns die Regenponchos in modischem Blau überreicht. Mein Wunsch nach Größe L wurde übergangen und ich bekam die verfügbare Universalgröße und einen kleinen Anranzer von meiner Ehefrau – der besten von allen. Ich vermute, dass Sie auch nicht die Wunschgröße erhalten hat und mir damit Ihren Unmut kundtun wollte. 😀

Unser Boot war ansprechend leer, so dass wir mit den Kindern backbord vorn an der Reling standen und das Ablegemanöver herbeisehnten. Alles, was jetzt passiert ist Wasser. Nach kurzer Fahrt standen wir in der Gischt der kleineren amerikanischen Fälle. Ich schloss die Augen und ließ mich benetzen. Die Geräuschkulisse setzte sich zusammen aus dem Tosen der Niagarafälle und dem Johlen der Fahrgäste. Irgendwann auf dieser Fahrt in dem vielen Wasser gab ich meiner Frau einen dicken Knutscher, denn dieser Tag ist Ihr geschenkt worden. Unsere beiden Mädels genossen die Fahrt hörbar und schon erreichten wir die Brautschleierfälle – also die kanadische Version der Niagarafälle. Auch hier erhob sich ein Johlen auf dem ganzen Schiff. Die Leute erlebten hörbar die sanfte Seite dieser Naturgewalt. Schon ging es zurück zum Anleger.

Von der Tour habe ich hier ein kleines Filmchen für Euch.

Niagarafälle Maid of the Mist von Jan Junghahn bei Vimeo.

Runter vom Boot, Treppe rauf

Wir haben nicht genug Wasser abbekommen, also sind wir noch die Treppe (rechts neben dem Anleger) rauf. Hier kommt man ganz nah an die Fälle und wird endlich wieder nass. Der Wind der dabei entsteht ist schon deutlich spürbar. Ein riesiger Spaß für Groß und Klein und so schön kühl an diesem heißen Tag. Zum Glück hatten wir die blauen Universalponchos schon abgelegt. Meiner war mir zu groß… Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, dass wir auch unsere eigenen Capes dabei hatten, denn wir haben diese überhaupt nicht gebrauchen können. 😉

Übers Wasser nach Kanada

Nachdem wir uns von den Fällen gelöst haben, gingen wir zunächst in unser Hotel zurück. Hier haben wir eine kurze Erholungspause eingelegt, etwas gegessen und die Trinkflaschen wieder aufgefüllt. Wir waren bereit für den nächsten Schritt. Mit leichtem Herzklopfen gingen wir auf den Grenzübergang zu. Die Pässe hatten wir dabei und in uns wuchs die Aufregung mit jedem Schritt. Kommen wir einfach rüber? Wie läuft die Einreise nach Kanada? Kommen wir einfach zurück? Wie läuft die Einreise in die USA?

An einem Parkplatz ist ein Schild, das den Weg zum Grenzübergang weist. Wir folgen dem Schild und stehen vor einer Drehtür. Einfach durchgehen? Ja! Also los…

Schon stehen wir auf der Rainbow Bridge und gehen nach Kanada. Unfassbar! Dieses Kribbeln im Bauch, dass wir auch dieses Land besuchen können. Immer wieder denke ich zurück. In dem Alter meiner Kinder war das alles Utopie. Da waren wir an der Ostsee, im Harz oder im Erzgebirge. Die einzige Grenzen, die ich in diesem Alter zu sehen bekam war die Mauer und die Grenze zur CSSR. Geträumt haben wir damals von Ungarn… Zurück ins Jetzt…

Wir haben die Mitte der Brücke erreicht. Ein Schild weist diese Stelle als Grenzlinie aus. Wir nahmen uns an die Hand und machten einen beherzten Sprung nach Kanada. Die Freude in mir war riesig. Nur noch wenige Schritte, einige Fragen einer Grenzbeamtin, die ich freundlich beantwortete – als sie nach Waffen fragte, verneinte ich, obwohl die Vorlage für einen Wortwitz zu verlockend war. 😀 Dann drückte die Dame in unsere Pässe den notwendigen Stempel und wir betraten offiziell Kanada.

Die Ansicht der Fälle von der kanadischen Seite ist großartig. Viele beschreiben den Anblick als Besser, ich sage eher anders. Denn die Nähe zu den Fällen auf der US-Seite erlaubt einen ganz anderen Blick. Ich habe mich dran gemacht ein HDR Panorama von den Fällen zu machen. Also baute ich meine Kamera mit Stativ und Nodalpunktadapter auf, richtete alles ein und begann zu fotografieren. Meine Mädels machten sich auf den Weg und erkundeten die Umgebung. Ich nahm mir die Zeit auch noch den Graufilter einzusetzen um längere Belichtungszeiten zu erzeugen und dadurch Bewegungsunschärfen zu erzeugen – ich gab mich ganz in Ruhe meinem Hobby hin und vergass den Trubel um mich herum.

Nachdem ich meine Bilder auf dem Chip hatte, suchte ich meine Familie und fand sie – wie soll es anders sein – im Shoppingtempel. 😉 Nachdem die Damen sich gegen alle Versuchungen entschieden haben, sind wir noch Richtung Hard Rock Café Niagara Fall (Canada) gelaufen. Dabei haben wir einen schön angelegten Park passiert. Immer wieder suchten wir nach den kleinen oder großen Unterschieden zwischen Kanada und den USA – wir konnten keine entdecken. Das liegt sicher daran, dass wir nicht wirklich in Kanada, sondern an den Niagarafällen sind. Kanada steht aber auf der Löffelliste.

Zurück übers Wasser

Nachdem wir im Rock Shop des HRC nichts ansprechendes gefunden haben, ging es wieder in Richtung USA. Jetzt kribbelte es wieder im Bauch. Kommen wir einfach so wieder rüber? Wie wird die Einreise verlaufen? Am Übergang standen wir jedoch vor einem ganz anderen Problem. Wir mussten Geld bezahlen um Kanada zu verlassen. Ein toller Trick, rein kommt man kostenlos, wenn man jedoch raus möchte… Nun ja, für uns vier waren es zwei US-Dollar. 😉

Auf der Brücke kam ich wieder kurz ins Grübeln. Wir können einfach zwischen den Staaten hin und her laufen, unbeschwert das Leben genießen – es geht uns doch verdammt gut!

Den Strich in der Mitte der Rainbowbridge sind wir wieder im geschlossenen Familienverband übersprungen um dann zur Border-Control zu gehen. Der Officer prüfte unsere Pässe und fragte uns nur, wann wir wieder nach Deutschland reisen würden, dann ließ er uns passieren. Da wir nur als Tagesbesucher in Kanada waren, mussten wir auch keine Gebühren entrichten und waren einfach wieder in den USA angekommen.

Jetzt ging es erneut ins Hotel. Wir erholten uns wieder ein wenig und machten uns frisch für den Abend, denn der Besuch des HRC auf der US-Seite stand an. Ich hatte im Vorfeld reserviert, so dass wir an der Schlange vorbei gehen konnten und zum Tisch geführt wurden. Eine Reisegruppe Senioren saß auch im HRC. Die älteren Damen schauten etwas verstört drein, denn die Musik war laut (Rock eben), an den Wänden flimmerten die passenden Videos (Rockmusikvideos) und an der Wand hingen eingerahmt Schlüpfer. Die älteren Herren schauten etwas anders, sobald sich die jungen Kellnerinnen näherten.

Nach dem Essen ging es in den Shop und dieses mal haben sich die Kinder auch etwas ausgesucht. Jasmin hat sich eine Kette ausgesucht und damit uns Eltern überrascht. Keine klassischen Kette, die 10 jährige Mädchen tragen, sondern eine Kette mit einem schwarzen Plektron, einer silbergrauen Kugel und einer silbergrauen Krone. Johanna hat sich ein großes Tuch ausgesucht und für den Kühlschrank kam noch der Magnet mit. An diesem Tag haben wir beschlossen, dass wir aus jedem HRC uns diesen Magneten (HRC Logo und Ort) mitbringen, wenn wir schon dort waren.

Abendstimmung am Wasser

Es war ein lauer Sommerabend, den wir mit einem ausgedehnten Spaziergang über den Niagara-River zu einem ganz gemütlichen Abschluss brachten. Das Licht war schön, die Luft ganz mild und wir gingen ganz gemächlich. Hier noch ein Foto, dort noch ein Blick auf das Wasser und dann ging es in gemütlichstem Spazierschritt zurück zum Hotel, nicht ohne immer wieder auf das Wasser zu sehen. Die Kinder waren müde und auch wir „Alten“ waren geschafft.

Es war der erhoffte tolle Tag an diesem Naturwunder in Nordamerika. Es war die absolut richtige Entscheidung, die Niagarafälle in die Reise einzubauen.

Wenn Ihr die Chance habt, die Niagarafälle zu besuchen, macht es, Schaut Euch dieses Naturschauspiel aus Wasser an.

Schon wieder habt Ihr nahezu 2.000 Worte über Wasser, Grenzen und Boote gelesen. Da habt Ihr Euch auch einige Fotos verdient. Ich bedanke mich fürs Lesen, Kommentieren und Teilen und sage: Gute Nacht!

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