Techniktour im Olympiastadion Berlin

Im zweiten Wohnzimmer ins Dach gestiegen

Da war diese Facebook Werbung für eine Techniktour im Berliner Olympiastadion und ich hatte Lust und auch Zeit. Also schnell für meine Tochter und mich Tickets bestellt und schon konnte es losgehen. Was während der Tour passiert ist, erfährt die geneigte Leserschaft in diesem Beitrag.

Techniktour im Olympiastadion

Haben wir am 10.06. etwas vor? Mit diesen Worten beginnt diese Geschichte. An genau diesem Tag soll im Berliner Olympiastadion die erste Techniktour für „jedermann“ stattfinden. Unser Familienkalender zeigte an, dass an diesem Tag nichts anstand. Also habe ich meine große Tochter – bekennender Hertha BSC Fan – gefragt, ob sie mitkommen möchte. Sie hat sofort ja gesagt und ich habe die Karten schnell geordert. Online ist das alle kein Problem. Nachdem ich die Karten bezahlt habe, fiel mir auf, dass da ein Mindestalter von 18 Jahren stand. Meine Tochter ist jedoch „erst“ 13 Jahre alt. Zur Sicherheit habe ich das Olympiastadion angerufen und dort wurde mir die Einschränkung bestätigt. Na gut, dann storniere ich die Buchung beim Vermittler. Das wurde mir nicht ermöglicht… Somit habe ich einen Termin und zwei Karten…

Und nun? Ich habe hin und her überlegt, wen ich mitnehmen kann. Fußballfans habe ich einige, die ich mitnehmen könnte. Mit Foto-Enthusiasten, die auch Fußballfans sind, wird die Auswahl schon dünner. Nach einigem Hin und Her im Kopf habe ich Horst gefragt. Der konnte seiner Gertrud nicht Wiederstehen und hat nach Kalendercheck zugesagt. (Horst und Gertrud ist ein Insider, der an dieser Stelle NICHT aufgelöst wird. 😉 )

Ein ziemlich heißer Sommer

So kam der 10.06.2018. Wir trafen uns am Bahnhof und machten uns auf den Weg. Das Wetter war schwül und jede Bewegung erzeugte einen kleinen Schweißausbruch. In der Bahn unterhielten wir uns über die kommenden und vergangenen Konzerte, über die kommende Fußball Saison unserer Vereine und über die bevorstehenden Sommerferien. Auf die Frage, wie hoch es denn hinausginge antwortete ich mit strahlenden Augen „Bis ins Dach!“. Jetzt wurde mein Horst etwas nachdenklich. Er eröffnete mir, dass er es mit der Höhentauglichkeit nicht so hat. Wir haben dann verabredet, dass wir am Olympiastadion nochmal nachfragen und dann weitersehen. Der Rest war quatschen, lachen und in Vorfreude schwelgen.

Am Stadion angekommen, gingen wir durch den Besuchereingang rein und meldeten uns mit den Tickets an. Dabei wurden wir aufgefordert zu unterschreiben, dass wir:

  • volljährig sind (erwachsen trifft nicht zu)
  • dass wir gesund sind
  • dass wir nüchtern sind
  • dass wir passendes Schuhwerk tragen werden
  • dass wir auf den Guide hören
  • dass wir den Veranstalter schuldfrei halten
  • und dann noch, dass wir keine Höhenangst oder Platzangst haben.

Zuerst haben wir das mal einfach unterschrieben um dann zu fragen, was denn ist, wenn man doch Höhenangst hat. Das könnten wir mit dem Guide klären, die Gruppe muss aber auf jeden Fall zusammenbleiben. Dann wurde ich noch zu meinen Trackingsandalen befragt – Stichwort „geeignetes Schuhwerk“. Ich versicherte, dass diese Schuhe schon so manches Gelände erklommen haben und konnte die beiden Damen am Counter auch beruhigen.

Vor der Tür war uns klar, dass wir noch einiges an Zeit hatten und so machten wir uns auf den Weg in Richtung Ostkurve. Hier stehen die eingefleischten Hertha-Fans und feuern mit mir im Rücken die Alte Dame an. Heute gingen wir die Stufen bis zum Graben runter. Es waren Arbeiten im Gange, denn vor einigen Tagen standen noch Autos im Innenraum, Guns ’n‘ Roses spielten und auch das DFB Pokalfinale war auch noch nicht lange her. Dieses hatten überraschend deutlich die Spieler von Eintracht Frankfurt für sich entschieden. All das war heute nebensächlich. Unser Blick galt heute der Architektur dieses imposanten Gebäudes – und dem Wetter. Es waren für den Nachmittag Regen und Gewitter angekündigt.

Die Tour startet und der Regen!

Es war für den Nachmittag Regen und Gewitter angekündigt und kurz vor dem Start der Tour begann es zu regnen. Nicht doll, aber man konnte anhand der Wolken ahnen, dass da mehr im Anflug ist. Uns war es zu diesem Zeitpunkt egal, denn das Wetter versprach Abkühlung und wir sind ja im Gebäude unterwegs. Im Regen begrüßte uns der Guide und lotste uns zunächst in die Ostkurve. Hier wurde uns die Tour in groben Zügen erklärt. Dabei ging der Guide – Architekt von Beruf – auch auf das Wetter ein. Seine Worte waren ungefähr die folgenden: „Wenn es ein typisches Westend-Gewitter ist, gehen wir ins Dach. Wenn es sich als echtes Unwetter herausstellt, wird das mit dem Dach nichts.“ Alles weitere war Technik, Architektur und viele Treppen. Einige Räume kannte ich aus den vorherigen Touren.

Zum ersten Mal konnte ich durch den Graben laufen, der das Spielfeld von den Tribünen trennt. Der Guide hat uns auf der Tour viele technische Highlights gezeigt, Angefangen von den Kanälen für die TV Kabel, über eine von vier Klimaanlagen bis hin zu einer USV Einheit, die ich in dieser Größe noch nie gesehen habe. Immer wieder wurde der Gruppe erklärt, was aus dem Olympiastadion von 1936 erhalten wurde und was im Vorfeld der FiFa Fußball WM 2006 neu gebaut wurde.

So sind zum Beispiel einige Sitze links und rechts vom für FiFa und UEFA Spiele unverkäuflich. Warum? Weil diese nicht überdacht sind. Kannste dir nicht ausdenken, ist aber so. Auch das mehrfach ausgezeichnete Dach ist etwas besonderes. Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner haben sich an die Vorgaben gehalten, den im Westen aufragenden Glockenturm nicht zu verdecken. Dabei ist es ihnen gelungen, eine Sehenswürdigkeit in Berlin zu schaffen, dass für sehr viele Sportveranstaltungen genutzt wird.

Der Glockenturm

Das berühmte Dach des Olympiastadion scheint den Glockenturm am Maifeld zu berühren.

Es geht ins Dach

Nach vielen Stufen, die uns in den Umlauf des Oberrings führten, ging es an der Pressetribüne und motzenden Berliner Bauarbeitern vorbei ging es immer höher hinaus. Mein Kumpel Horst, der olle Erbsenzähler war etwas ruhiger geworden, denn auf einmal ging es auf eine Leiter knapp 1,50 Meter höher und wir standen so, dass wir den Teufelsberg mit der Abhörstation sehen konnten.

Hier trennten sich unsere Wege – vorläufig. Für mich ging ein großer Wunsch in Erfüllung. Über einen Steg ging es mit Helm ins Dach. Alles ab jetzt ist nur Faszination. Ich bewegte mich im Dach auf den Lichtkanal zu.

Nach einigen Minuten im Dach bemerkte ich meinen Kumpel Horst. Er signalisiert mir, dass er einen Helm bräuchte, denn er wollte versuchen, auch diesen Weg zu gehen. Ich war faszniert, denn für jemanden mit echter Höhenangst ist der Weg nicht einfach. Er fasste sich ein Herz und ging den Weg.

Mein Horst überwindet seine Angst vor der Höhe.

Was bleibt?

Da war zunächst Ernüchterung über das geringe kulante Verhalten der Ticketagentur. Hier eine Bitte an das Berliner Olympiastadion: Der Altershinweis sollte aus meiner Sicht deutlich und weiter oben hervorgehoben werden.

Dann war da das Wetter. Kannste nicht beeinflussen, aber wenn es sein muss, hält Petrus zu uns.

Nicht zuletzt ist da dieses Stadion. Regelmäßig feiere und schimpfe ich dort aus dem Oberring der Ostkurve in den Heimspielen meiner Hertha.

Und dann war da mein Kumpel Horst. Wir ticken sehr ähnlich und sind oft gemeinsam unterwegs. Das nächste gemeinsame Highlight hat wieder nichts mit Fußball zu tun und findet auch in Köpenik statt.

Und am Ende ging es für mich noch in den Fanshop, eine neue Kopfbedeckung für den Sommer musste her.

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