Ruhetag im Haus am See

Reisetagebuch unserer USA Reise Tag 10 24.07.15

„Was ist das für ein Geräusch? Regnet es? Ein kurzer Blick aus dem Fenster und ich sehe keinen Regen, also schlafe ich mal weiter…“ – oder versuche es zumindest. Immer wieder dieses Geräusch von Regen. „Was, um alles in der Welt, ist das für ein Wetter? Ich muss wohl doch mal aufstehen und nachsehen.“ Das sind ziemlich genau die Gedanken, die ich an diesem Morgen hatte. Also raus aus dem Bett und patsch… Fuß nass! Kurzer Blick auf den Boden und das Unheil nimmt seinen Lauf. Da ist Wasser, es regnet rein! Blick nach draußen, da ist kein Regen. Was ist hier los und wieder dieses Geräusch. Kennt Ihr amerikanische Spielfilme? Was passiert dort gern, wenn der Bösewicht oder der niedliche Hund im Garten steht? Die Beregnung geht los. Genau das passiert auch vor unserem Haus am See und in eines des Schlafzimmerfenster regnet eine dieser Düsen rein. Also Fenster leise zu und den Tag beginnen, den Ruhetag.

Der Tag beginnt!

Noch etwas schlaftrunken wanke ich durch das Haus. Alles ist still, meine Kinder und die beste Ehefrau von allen schlafen noch tief und fest. Ich gehe weiter in Richtung Wohnzimmer, im Tageslicht sieht alles sehr nett aus. Hier soll es doch eine Terasse geben und einen Steg an einem See. Ich ziehe die Vorhänge auf und traue meinen noch sehr verschlafenen Augen nicht. Vor mir liegt der See, die Sonne geht am Horizont auf und alles ist still. Das Wasser ist glatt wie ein Spiegel und diese Ruhe ist fast unecht. Ich teste mein Gehör und stelle erleichtert dessen volle Funktionsfähigkeit fest. Man kann Stille hören.

An diesem Tag habe ich nur ein Bild gemacht und zwar dieses.

Sonnenaufgang vor dem Haus am See

Dieses Bild ist als erstes auf Cape Cod entstanden.

Ich konnte es nicht fassen, dieses Haus, die Lage, die Ruhe… Alles genauso, wie es sein sollte. Der absolute Kontrast zu New York City. Keine Sirenen, keine Motorgeräusche, keine Klimaanlagen, kein Baustellenlärm – nur Stille.

Glaubt mir, wenn Peter Fox vom Haus am See singt, muss er das gemeint haben. Die Reaktionen bei der Familie und bei Freunden, die dieses Bild dann per WhatsApp bekamen waren „Wunderschön“ oder „Mein lieber Schwan…“ oder auch „Alter… Hammer“.

Ich stand einfach nur auf der Terasse und habe es mit geschlossenen Augen genießen können, wie die Sonnenstrahlen wärmten. Nach einigen Minuten ging ich wieder rein. Ich hatte noch nicht einmal auf die Uhr gesehen. Ich beschloss, mich auf das große, kuschlige Sofa zu legen und die Ruhe zu genießen. Die sozialen Netze habe ich ein wenig durchforstet, dann schlief ich wieder ein. 😀

Du hast geschlafen, da haben wir…

Etwa nach 1,5 Stunden wurde ich wieder wach, weil ich meine Kinder gehört habe. Ich bin leise zu den Beiden hin und wurde mit vorwurfsvollem Blick empfangen. Die Kinder haben mich im Wohnzimmer gesehen und haben dann lieber leise im Zimmer gespielt, als auch mal endlich den See sehen zu können. Ich nahm die beiden erst mal in den Arm und dann gingen wir drei auf die Terrasse. Meine Frau schlief immer noch. 🙂

Die Kinder sagten nichts, sie waren einfach sprachlos – bei Johanna ein sehr seltener Moment.

Ich ließ die Kinder auf der Terrasse stehen und machte mich dran, das Frühstück vorzubereiten. Kein Buffet, keine Fernseher an der Wand, keine Klimaanlage – einfach ein Frühstück in Familie. Es gab Cornflakes, Obst, Brötchen, Marmelade, Jam und Honig. Zudem standen Kaffee, Saft und Milch auf dem Tisch.

In der Zwischenzeit ist meine liebe Frau auch aufgestanden und hat den Blick über den See schweifen lassen. Es war ein ganz ruhiges Frühstück.

Was machen wir heute?

Ich habe auf diese Frage gewartet, denn auf die Antwort habe ich mich lange vorbereitet. Es war kompliziert, die passenden Worte zu finden um das Tagesprogramm zu beschreiben, soviel hatten wir geplant. Ich atmete tief ein und fing dann an den Tagesablauf zu umreißen.

NÜSCHT!

Heute ist Ruhetag! Wir entspannen uns am See, im Haus und von New York. Die gestrige Fahrt steckte mir noch etwas in den Knochen und auf eines hatte ich heute absolut keine Lust – auf Auto fahren. Nach dem Frühstück nahmen wir das Haus erstmal unter die Lupe. Alles ist liebevoll dekoriert. Im Essbereich und im Wohnzimmer sind Kamine, die wir nicht nutzen dürfen (macht auch nichts 😉 ), im Wintergarten steht ein riesiges Ecksofa – da hatte ich heute früh geschlafen und der Tresen, an dem wir gestern Abendbrot gegessen haben. Die Küche ist komplett ausgestattet (Gasherd, Backofen, Mikrowelle, Kühlschrank und Geschirrspüler) und in der Waschküche steht eine Waschmaschine und ein Trockner. Das Bad ist relativ klein, aber auch komplett mit Duschwanne ausgestattet. Die beiden Schlafzimmer sind mit ordentlichen Betten ausgestattet und überall findet man liebevolle, maritime Dekorationen.

Auf der großen Terrasse steht ein großer Tisch mit vier Stühlen und zwei dieser wunderbaren Stühle, in denen man so wunderbar entspannen kann und ein Gasgrill.

Was uns schon in New York und bei der Fahrt nach Cape Cod aufgefallen ist, fand sich auch hier wieder – die US-Flagge ist hier an jedem Gebäude angebracht.

Wie Kinder den Ruhetag verbringen

Ich ließ mich abwechselnd auf einem Sessel im Wintergarten, auf der Terasse oder auf dem Steg nieder. Die Mädels haben den Garten erkundet und ein Obstpicknick vorbereitet. Damit wir „Alten“ auch am Picknick teilnehmen durften, mussten wir fünf Stationen „abarbeiten“. Kniebeuge, Hock-Streck-Sprung, Rad schlagen (meine Top-Disziplin 😉 ) waren drei dieser Stationen. Dann gab es endlich Äpfel, Weintrauben und Pfirsich im Garten. Meine liebe Frau hat anschließend die Waschmaschine genutzt, unsere Wäsche wurde langsam knapp.

Ich ließ mich auf dem Steg nieder. Hier konnten wir unseren See erkunden. Es war kein See, wie wir uns das vorgestellt haben, sonder ein Pond. Diese sind direkt mit dem Atlantik verbunden und damit auch den Gezeiten ausgesetzt. Das Salzwasser hatte eine angenehme Temperatur, zum Baden war der Pond allerdings zu bewachsen und reich an Getier. Da sind zum Beispiel unsere Hauskrabben Kurt, Karl und Kornelius. Die drei labten sich an den Algen und Wasserpflanzen. Außerdem konnten wir kleine Krebstiere, Enten, Graugänse, Reier, Möwen und ein Fischadler beobachten.

Auf einem benachbarten Grundstück waren drei Mädels, die immer wieder zu einer Sandbank paddelten und dort badeten. Jasmins Augen sagten mir, dass sie auch dahin möchte und so haben wir die im Haus befindlichen Kajaks zu Wasser gelassen, haben die Schwimmwesten angelegt und sind losgepaddelt. Irgendwie sah das bei den Mädels und bei Jasmin so einfach aus, mein Kajak wollte aber nicht wie ich wollte. Irgendwann kam auch ich an und war erstaunt, wieviel Leben auf dieser Sandbank zu entdecken war. Da war der Butterfisch – sieht aus wie ein Aal, kleine Fischschwärme, die einem direkt an den Füßen knabberten und Einsiedlerkrebse, die mit den Schneckenhäusern durch die Gegend rennen. Jasmin und ich tobten ausgiebig. Nach unserer Rückkehr sah ich Johannas Blick… Kennt Ihr das? Man kommt näher und ohne dass etwas gesagt wird, weiß man, ein „Nein“ oder „Später“ ist nicht akzeptabel. So sah mich Johanna an. Also habe ich Ihr eine Rettungsweste angelegt und bin mit Ihr ein Stück gepaddelt. Anschließend habe ich das Kajak an eine Leine gebunden und Johanna probierte sich selbst im Paddeln. Ihr Blick wandelte sich in Begeisterung und Stolz, während diese Fische an meinen Füßen knabberten.

Nachdem die Kajaks fachmännisch am Steg vertäut waren, habe ich die Ruhe genießen wollen – es war ja RUHETAG! 😉

Dürfen wir Papa?

Die Mädels von vorhin paddelten wiedermal in Richtung Sandbank. Eine fuhr einen Bogen, winkte und fragte, ob die Mädels zur Sandbank mitkommen wollen. Moment mal, war das gerade eine Einladung zum Spielen, die ich meinen Kindern übersetzt habe? Ich habe doch Ruhetag… Und da war so ein Blick, den nur Kinder und Männer können. Frauen kennen diesen Blick als Dackelblick oder Welpengesicht. Die Frage dahinter lautet „Dürfen wir?“. Und liebe Frauen, könnt Ihr diesem Blick wiederstehen? Ich auch nicht… So teilte ich den Nachbarmädels mit, dass wir noch Mittag essen werden und anschließend zur Sandbank kommen. Die Mädels haben eine Verabredung zum Spielen! Ein tolles Gefühl, denn in der Zeit in New York waren keine anderen Kinder, mit denen sie im Kontakt waren.

Nachdem Mittag ging es los. Jasmin im Kajak, Johanna und ich in einem alterschwachen Ruderboot mit eingerosteter Ruderführung… Was soll ich sagen, Jasmin war innerhalb weniger Sekunden auf der Sandbank, während Johanna und ich versuchten die Richtung zur Sandbank zu halten. Meine Frau hatte auf der Terasse ihren Spaß, während ich im besten deutsch fluchte. Irgendwann waren wir dann am Ziel und nun gab es auch für Johanna kein Halten. Es wurde getobt. Die Mädels waren 11 und 13 Jahre alt, besuchten den Opa und waren sehr erstaunt, dass wir aus Berlin kommen.

Oh, is a Thunderstorm…

… everybody go home!

Mit diesen Worten beendete Page (so heißt eines der Mädels) den Badespaß, bei dem sich Jasmin auch noch leicht am Knie verletzt hat. Auf dem Rückweg hatte ich wieder Probleme mit dem Ruderboot. Was mich beeindruckte, war das Verhalten der Kinder. Ein leises Grummeln am Himmel und ohne weitere Aufforderung fuhren alle mit ihren Booten nach Hause. Respekt für dieses verantwortungsvolle Bewusstsein.

Am Steg angekommen stellten wir fest, dass Jasmin sich am Knie eine Verletzung zugezogen hatte. Nichts gravierendes aber berichtenswert, Blut erhöht die Spannung 😉

Wildlife watching am Ruhetag

Das salzige Wasser wurde von der Haut geduscht, das Gewitter zog nicht über uns drüber und so saßen meine Frau und ich am frühen Abend auf unserem Steg und waren echt tiefenentspannt. Jasmin und Johanna übten Radschlagen. Vom Steg konnte man die verschiedenen Seebewohner bei der Futtersuche beobachten. Da wir keine Gefahr dargestellt haben, kam einen Graugansfamilie immer näher. Die Eltern beäugten uns, während das Jungtier in Ruhe fraß. Irgendwann fraßen alle drei Tiere, dann kam Jasmin zum Steg. Wir signalisierten ihr, dass sie langsam laufen soll. Die Graugänse gingen sofort in Schutzstellung, um die „Gefahr“ vom Jungtier fernzuhalten. Wenn die Alttiere um Jasmins Tierliebe gewusst hätten, hätten sie das Jungtier zu Jasmin geschickt. 😀

Auf dem See war Action ohne Ende. Wir konnten Enten und Graugänse, Möwen und Krabben (Kurt, Karl und Kornelius) beobachten. Am Horizont sahen wir zwei Greifvögel – Fischadler wie sich herausstellen sollte. Deren Horst war in einem Baum am See und wir konnten sehr gut beobachten, wie die beiden Adler über dem See kreisten um immer wieder in den See zu stürzen. Ich bin der Meinung, dass es ein Jungtier und ein Alttier war, denn die Erfolgsquote des einen Adlers war nicht besonders hoch.

Am Ende habe ich doch noch einige Aufnahmen unserer tierischen Nachbarn gemacht und wir haben unseren Ruhetag ganz entspannt rumgebracht. Ob am nächsten Tag mehr passiert ist? Das lest Ihr hier später. 😉

Danke fürs Lesen, Teilen und Kommentieren. Gute Nacht.

  2 comments for “Ruhetag im Haus am See

  1. Gundi
    1. September 2015 at 21:59

    Lieber Jan, du solltest ein Buch schreiben. Trotz meiner Lieblingsserie im Fernsehen, habe ich lieber dein Tagebuch gelesen. Liebe Grüße Gundi

    • Jan
      1. September 2015 at 22:02

      Vielen Dank! Es wird davon sicher eine Druckversion geben.

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