Road Trip durch fünf Bundesstaaten

Reisetagebuch unserer USA Reise Tag 9 23.07.15

Kinder, wie die Zeit vergeht. Wir hatten uns gerade an den Takt dieser Stadt gewöhnt und nun ist selbst das Finale schon vorbei. Das dieser Tag Stress für zwei bis vier Wochen zusätzlichen Urlaub bereithält, wussten wir nicht. Lasst Euch von unserem Road Trip begeistern.

Der Tag fing wunderbar an. Wir packten die Sachen zusammen und gingen zum Frühstück, dass für uns kein Schockfrosten mehr war, der Mensch gewöhnt sich an alles. Leider waren unsere Nachbarn auch alle zum Frühstück, im Büro oder verreist, denn auch das letzte „Good morning New York!“ verhallte unbeantwortet. 🙁

Nachdem Frühstück sortierten wir uns weiter. Hier noch ein Haargummi, dort noch eine Eintrittskarte, die Kopfhörer und der Nintendo wanderten in die Rucksäcke und eine der Tüten vom Trader Joe’s musste für die Schuhe her halten. Alles war ganz entspannt und gut gelaunt. Bald sind wir in unserem Haus am See und werden uns von dem Großstadtrummel erholen.

Wo ist…

So langsam hatten wir alles zusammen und ich machte mich daran, verschiedene Unterlagen bereitzulegen. Wo ist der Voucher für den Mietwagen? Hier. Wo sind die Unterlagen vom Haus? Hier.

Dann ist da noch ein Zettel für den Autovermieter auszufüllen – sonst gibt der uns womöglich kein Auto für den Road Trip. Was wollen die wissen? Achso… Name, Anschrift, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum, Führerscheinnummer. Die steht auf dem Führerschein und der ist im Portmonai. Nee, da ist kein Führerschein. Dann ist er in der Brieftasche, oder eben nicht…

…mein Führerschein?

Meine Gesichtsfarbe wechselte von Urlaub auf Krankenhaus, mein Blutdruck schoss in bedrohliche Höhen, mein Puls war nicht mehr messbar. Alle Taschen durchwühlen! Kinder, kommt dem Papa mal jetzt nicht in die Quere! Nochmal das Portmonai – Kreditkarte, Krankenkassenkarte (was will ich damit?), EC-Karte, Personalausweis. Ich musste mich setzen und meine Gedanken ordnen.

Was können wir tun?

Schritt 1: Zu Hause anrufen. Es war 15:30 Uhr nach deutscher Zeit, hoffentlich ist meine Mama zu Hause. Sie ist es und sie ist auch gleich in unsere Wohnung gelaufen.

Schritt 2: Reisebüro um Hilfe bitten.

Schritt 3: Ruhe bewahren!

Schritt 4: Hat meine Frau ihren Führerschein dabei?

Aus Berlin kam dann die Nachricht, dass der Führerschein zu Hause liegt. Eine Kopie wird mir per Mail übermittelt. Leider kamen vom Reisebüro nicht so positive Botschaften. Die Unterlagen können nicht geändert werden, wir konnten nur auf den guten Willen des Vermieters hoffen.

Die E-Mail war da. In der Lobby bat ich darum, dass man mir die Mail und die Anlagen ausdrucken möge. Man verwies mich in das Business-Center. Dort könne ich auf Mails zugreifen und diese auch ausdrucken. Der erste Rechner spielte nicht mit, also bin ich an den zweiten Rechner gewechselt. Auch dieser Rechner machte nicht, was er sollte. Nachdem der dritte Rechner es auch nicht tat, stand die vermeintliche IT Chefin neben mir. Sagen wir mal so, sie wusste, wo die Rechner ein und wieder ausgeschaltet wurden.

Einige Minuten später – mir kam das alles wie Stunden vor – stand der Empfangschef neben mir. Ich leitete die Mail weiter und weitere Stunden (nach meinem Gefühl) hatte ich das Papier in der Hand.

Meine Frau hatte – wie durch einen Zufall – Ihren Führerschein dabei, so dass zumindest einer von uns beiden die Fahrtauglichkeit nachweisen kann. Hoffentlich steht dem Road Trip nichts unumstößliches im Wege…

Wie kommen wir zum Flughafen?

Unser Auto für den Road Trip sollten wir am Flughafen übernehmen. Wir hatten den irren Plan, dass uns das Hotel ein Taxi ruft, dass uns dann zum Vermieter fährt. Der Empfangschef erklärte mir beim Check out ganz ruhig, dass man in New York kein Taxi rufen kann, sondern nur am Straßenrand einsteigen kann. Mein Puls und mein Blutdruck erreichten rekordverdächtige Werte. In einem Krankenhaus wäre jetzt der Chefarzt gerufen worden. Ich atmete tief durch und wollte mich schon auf den Weg auf die Straße machen – um laut SCHEISSE zu schreien und diese Stadt zu verfluchen, da sagte mir dieser ekelhaft entspannte Empfangsheini, dass er uns einen Fahrer organisieren könnte, der günstiger ist, der schneller ist und den er zum Hotel bestellen könnte. Mein Blutdruck und mein Puls nahmen wieder normale Werte an, so dass ich ihn darum bat. Das Trinkgeld lehnte er ab, das solle ich dem Fahrer geben. Dieser über die Maßen sympathische Empfangschef hatte mir etwas den Tag gerettet, immerhin kamen wir jetzt zum Flughafen.

Der Fahrer kam und die Fahrt ging los. Durch den Lincoln Tunnel ging es nach New Jersey und auf dem Weg dahin spielte ich in Gedanken alle Möglichkeiten durch, die uns erwarten können.

Unser Fahrer setzte uns bei unserem Vermieter ab und wir machten uns mit Sack und Pack auf den Weg. Zunächst versuchten wir, den Wagen über das Self-Service-Terminal zu bekommen. Leider war dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt – wäre ja auch zu schön gewesen.

Am Schalter gab uns der Mitarbeiter schnell zu verstehen, dass er nicht glaube, dass wir ein Auto für unseren Road Trip bekämen. Die Agentur kann den Vertrag ändern, er könne dies nicht. Man beachte das Wort AGENTUR! Er fragte noch eine Kollegin, die noch deutlicher sagte, dass wir kein Auto bekämen. Ich stand kurz vor dem Kollaps, da meldete sich Dinah zu Wort. Sie erklärte, dass es bei verheirateten Paaren mit gleichem Familiennamen kein Problem wäre, den Vertrag auf meine Frau zu schreiben. Entspannung macht sich breit. Der Mitarbeiter fing an zu tippen bis – ja bis der Manager hinter ihm stand und die Aktion stoppte. Er könne uns heute ein Auto für einen Tag geben, morgen ist dann der Vertrag auf meine Frau umgestellt, dann könnten wir das Auto tauschen und alles wäre erledigt. Ich erklärte ihm, dass wir nach Cape Cod fahren und eine Strecke ca. 6 Stunden dauert – das wären zwölf Stunden Autofahrt. „Rufen Sie die Agentur an, die können den Vertrag ändern, anders wird das nichts.“ Mit diesen Worten bekamen wir unsere Unterlagen zurück und die imaginäre Faust des Managers rammte sich in meinen Magen.

Wir riefen in Berlin beim Reisebüro an. Die sehr nette Mitarbeiterin von USA Reisen machte uns wenig Hoffnung, wollte jedoch mal ihr Glück versuchen. Ich schaute mir den Voucher an und fand eine Rückseite mit weiteren Informationen und einer Hotline in München. FTI ist wohl die Agentur, die uns durch das Reisebüro vermittelt wurde. Ich rief an und schilderte mein Anliegen. Der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung fragte, ob meine Frau ihren Führerschein bei habe. Ich bejahte die Frage und dann begann er die erlösenden Worte „Kein Prob…, momentmal, das ist was mit dem Datensatz nicht in Ordnung. Da ist gerade ein Kollege drin…“ Sekunden der Stille – mir kam es vor wie Tage. Dann sagte er, dass unser Reisebüro schon alles hat ändern lassen und die sich gleich bei uns melden würden.

So war es auch. Ich legte auf und das Telefon klingelte. Am anderen Ende meldete sich das Reisebüro und teilte mit, dass alles geändert ist und wir jetzt das Auto für den Road Trip übernehmen können. Wir waren unbeschreiblich froh, dann sahen wir Dinah. Die Arme war komplett durch den Wind, zitterte am ganzen Körper und entschuldigte sich bei uns. Die Ansage, die der Manager ihr gemacht haben muss, muss extrem hart gewesen sein. Sie bat uns direkt an den Schalter und wenige Minuten später unterschrieb meine Frau den Mietvertrag. Wir haben Dinah gesagt, dass wir ihr sehr dankbar sind, dass sie das einfach lösen wollte. Sie lächelte, wenn auch gequält und wünschte uns einen angenehmen Road Trip.

Road Trip - Ein Chrysler ist unser Gefährt.

Unser Begleiter in den nächsten Tagen

Hier mein Ratschlag! Lest immer die Rückseiten Eurer Reiseunterlagen. Das ist schon das zweite Mal, dass wir nur umblättern hätten müssen und wir hätten weniger Stress in dieser Situation gehabt.

Wir übernahmen einen 2015er Chrysler Town and Country, der etwas mehr als 30.000 Meilen auf der Uhr hatte. Dieses Schiff sollte uns nun täglich begleiten. Mit leichtem Herzklopfen fuhr ich den Wagen vom Hof der Vermietung – zur Erklärung: Nach den Bedingungen durfte ich den Wagen nicht fahren. 😯

Auto fahren in NYC? Niemals! Der Road Trip beginnt!

Das Navi war auf den nächsten Wal Mart programmiert, denn wir benötigten für Johanna noch eine Sitzerhöhung. Für 12,98 $ war dann auch eine gefunden und es konnte unser Ziel Cape Cod eingegeben werden. Berechnete Fahrzeit für den Road Trip ca. 6 Stunden, das war auch so geplant, also alle Einsteigen, iPhone über Bluetooth gekoppelt (hurra, wir können unsere Musik hören) und los ging es zur ersten Mautstelle. Bis wir wieder in New York waren, kamen noch einige dieser Mautstellen und wir waren mehr als froh, dass wir uns noch für den EZ-Pass entschieden haben. So fuhren wir einfach durch, ohne vor Ort zu bezahlen. Das Navi führte uns Richtung New York City. Es fuhr sich gut, die Straßen wurden nur zusehends voller.

Ein Highlight der ersten Meilen war die George-Washington-Bridge. Diese Brücke über den Hudson verbindet New Jersey mit New York City und ehe ich begriffen habe, was los war, fuhr ich entgegen aller Schwüre und Voraussagen in New York Auto. Auf der Brücke fühlte ich mich gut und die Musikanlage versorgte uns mit Rebell von den „Die Ärzte“, der unangefochten besten Band der Welt, AUS BERLIN! Gute Musik für einen Road Trip 🙂

Nach der Brücke standen wir im Stau. Links überholte uns ein 40 Tonner, rechts überholte uns ein 40 Tonner und die Spuren schienen immer enger zu werden. Stück für Stück schoben wir uns durch den Stau, arbeiteten uns Meile für Meile im Schneckentempo – eine langsame, sehr alte Schnecke, die viel Zeit hat – auf unserem Road Trip vorwärts. Wir fuhren durch die Bronx und konnten nicht so recht glauben, dass wir in 5,5 Stunden in Cape Cod sein sollten – uns hatte die Rush Hour voll erwischt.

Irgendwann kam ein Gefühl von Geschwindigkeit auf und im nächsten Moment standen wir wieder zwischen diesen riesigen Trucks. Da kommt man sich mit einem, für unsere Verhältnisse großen Auto sehr klein vor. Wir schoben uns durch das Stadtgebiet und waren auf dem Weg, insgesamt fünf Bundesstaaten auf unserem Road Trip kennen zu lernen.

Gestartet in New Jersey ging es nach New York und weiter nach Connecticut, durch Rhode Island nach Massachusetts. Die Interstate 95 – der New England Thruway – war unsere Route für diesen Road Trip, genauer Interstate 95 N (das N steht für North).

Von Entspannung keine Spur mehr…

Der Stress am Vormittag, der sich zu High Noon zuspitzte, hat Spuren hinterlassen. Ich fühlte mich, wie nach einem Tag voller Besprechungen und Termine auf einer Messe. Solange wir auf unserem Road Trip durch New York fuhren, kam ein Stau nach dem anderen, der unsere Fahrzeit verlängerte. Einige Meilen vor der Grenze zu Connecticut waren es immer noch 5,5 Stunden bis zum Ziel, nur dass wir bisher schon zwei Stunden unterwegs waren und der Verkehr einfach nur zähflüssig war. Wenn man mal freie Bahn hatte, standen am Rand diese Schilder mit einer Begrenzung auf 45 mph. Die Sonne tat ihr übriges, denn außerhalb des Autos waren wieder fröhlich 35° Celsius. Im Auto war die Temperatur zwar durch die Klimaanlage geregelt, jedoch brezelte mir die Sonne auf Arme und Beine.

In Connecticut lockerte sich der Verkehr dann auf, so dass wir auch längere Strecken unseres Road Trip mit den erlaubten 65 mph fahren konnten – naja, auf dem Tacho standen 70 mph. 😉 Aber auch hier stockte immer mal wieder der Verkehr. Nach dem ersten Drittel machte ich eine erste Pause, um mir auf einer Raststätte die Füße zu vertreten, einen Kaffee und vier Donuts zu holen. Ein Blick auf das Navi verriet, dass wir noch rund 160 Meilen zu fahren hatten. Eine Strecke, die man mit Pausen in drei Stunden ganz locker schafft – dachten wir. Am Ende waren wir statt der avisierten 6 Stunden ganze 9 Stunden unterwegs, wobei wir auch noch einen Lebensmitteleinkauf gemacht haben. Auf unserem Road Trip sahen wir, wie ein Haus transportiert wurde und wir sahen wieder die Mobile Homes, die als „Anhänger“ gern einen Pickup oder ein SUV im Schlepp hatten. Mit dem Handy hat meine liebe Frau das mal für Euch dokumentiert.

Willkommen auf Cape Cod – Road Trip geschafft

Nachdem wir den Bundesstaat Rhode Island verlassen und der Gouverneur von Massachusetts uns begrüßt hat – nicht persönlich, aber über ein Schild am Rand der Interstate ließ er diese Grüße ausrichten – bogen wir Richtung Cape Cod ab und waren auch bald am Haus. Ortszeit 22:00 Uhr sagte unser Navi – wir nennen sie Helga – die magischen Worte: „Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt links.“ Dieser Road Trip war geschafft.

Der folgende Schlachtplan war einfach: Haus öffnen, Kinder ins Bett und dann das Auto ausräumen.

Während unserer Zeit in New York hatten wir Kontakt mit unsrer Vermieterin aufgenommen. Sie teilte uns mit, dass der Schlüssel – typisch amerikanisch – unter der Fussmatte ist, in der Garage wäre dann auch noch einer. So, wie es angekündigt war, haben wir es auch vorgefunden. Nun wollten wir noch Abendbrot essen und da die Kinder einen kleinen Tresen entdeckt haben, saßen wir dann ganz fröhlich am Tresen – bzw. die Kinder saßen und die Eltern standen – und haben das Abendessen ganz in Ruhe genießen können. Jetzt konnten die Kurzen schnell in die bereits bezogenen Betten und wir Alten räumten dann in Ruhe das Auto aus. Soweit wir sehen konnten, entsprach das Haus der Beschreibung im Internet. Wir entspannten uns dann noch ein wenig vor dem Fernseher, dann gingen wir auch ins Bett und beendeten diesen viel zu aufregenden Tag.

Vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Teilen, gute Nacht.

 

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