Früh Aufstehen für eine alte Dame – Freiheitsstatue

Reisetagebuch unserer USA Reise Tag 6 20.07.15

Na, seit ihr schon wach? Unser Wecker klingelte am sechsten Tag unserer USA Reise um 5:00 Uhr. Ich begrüßte die Stadt wie jeden Morgen durchs offene Fenster, geantwortet hat wieder keiner. Das wird sicher an der Uhrzeit liegen. Die Kinder durften noch ein wenig länger schlafen, aber um 05:30 Uhr war auch für die kleinen Weltenbummler die Nacht vorbei. Heute war ein besonderes Ziel ausgemacht – wir besuchen die Freiheitsstatue.

Aufs Frühstück warten?!?

Im Gegensatz zu den anderen Tagen waren wir die ersten beim Frühstück und eine halbe Stunde zu früh 🙁 . Nicht wie in unserer Planung vorgesehen um 6:00 Uhr, sondern um 06:30 Uhr beginnt das Frühstück – und die Zeit läuft.

Ich habe gelernt, dass man eine Dame – vor allem eine in hohem Alter – nicht warten lässt, denn die Freiheitstatue empfängt schon seit 129 Jahren Reisende aus aller Welt, so diese denn mit dem Schiff in New York ankommen.

An dieser Stelle beschreibe ich Euch nicht unser Frühstück, denn es ändert sich ja nichts 😉 , wir haben eine U-Bahn zu erreichen.

Wir haben einen Termin!

Zum ersten mal haben wir uns mit dem Fahrplan des Subway auseinander gesetzt. Um 7:37 Uhr fährt unser Zug von der Station 72th. Street / Broadway ab. Zum ersten mal im Urlaub haben wir uns auf dem Weg zur U-Bahn an die New Yorker angepasst und die Fußgängerampeln als Vorschläge wahrgenommen – es kommt kein Auto, also rüber. Auf dieser Art erreichten wir unsere U-Bahn pünktlich.

Diese Zeichen gibt es zwar, aber den New Yorker interessiert das nicht im geringsten. #NYC #USAN3J

Ein von Junghahn24 Fotografie (@junghahn24) gepostetes Foto am

Umsteigen bitte

Auf unserem Weg zum Battery Park kam eine Durchsage, die wir erst beim dritten Mal verstanden haben. Es hieß umsteigen, denn die hinteren Wagen des Zuges fahren wohl nicht zum Battery Park. Warum das so ist, zeigt dieser kleine Film…

South Ferry Plattformen from Jan Junghahn on Vimeo.

Am Battery Park angekommen, kamen sogleich die mittlerweile bekannten Promotoren auf uns zu, um uns Tickets zu verkaufen. Leider auch in diesem Fall erfolglos. Ich hatte im April! diesen Ausflug komplett gebucht, inkl. Aufstieg in die Krone. Da täglich nur 3.000 Leute ins Innere der Freiheitsstatue gelangen, ist frühes Buchen erforderlich und da legt man sich auf Datum und Uhrzeit des Besuches fest. Ich hatte uns für 9:00 Uhr bei Lady Liberty angemeldet, daher auch der frühe Start in den Tag.

Die Tickets haben wir uns am Counter abgeholt und am Anleger stand auch direkt eine Fähre bereit. Die Überfahrt nach Liberty Island – hier steht die Freiheitsstatue – dauert wenige Minuten, in diesen Minuten genießt man einen grandiosen Blick auf die Südspitze Manhattans. An diese Tag ist auch unser familieninterner Running Gag entstanden: „Hatta Mana?“ „Manahatta!“. Die Erklärung für dieses Wortspiel ergibt sich aus dem Namen, den die Ureinwohner der Insel gaben, die wir heute als Manhattan kennen. Sie nannten dieses Gebiet Manahatta für hügeliges Land oder Land der vielen Hügel.

Auf der Insel angekommen, verbrachten wir die ersten Minuten mit dem zweitliebsten Hobby der Amerikaner – anstehen. Zuerst holten wir uns den kostenlosen Audioguide ab, der uns über die Insel führen wird. An der großen Flagge vorbei ging es dann in die nächste Schlange. Hier stand man an, um der Freiheitsstatue unter den Rock zu gucken. 😀 Vor uns standen schon viele „Voyeure“ und hinter uns wurde die Schlange auch wieder länger und länger. Könnt Ihr Euch noch an den Rat erinnern?

Zeit zum Beobachten und Nachdenken

Die Kinder haben wir im Schatten geparkt und wir standen fröhlich in der Schlange. Ich nahm mir noch Zeit für ein Selfie und beobachtete die Umgebung, um meine wissenschaftlich wenig fundierten Sozialstudien zu betreiben.

Eines ist mir hier aufgefallen! Während überall auf der Welt die Religionen und „Rassen“ sich die Köpfe einschlagen, verstehen sich hier Araber mit Juden, Christen mit Moslems, Russen mit Amerikanern, Chinesen mit Japanern. Jasmin fragte mich, warum das nicht überall auf der Welt so ist, mir fiel keine logische Antwort ein. Es mag an dem Ort liegen oder das Reisen bildet oder andere Gründe haben – aber es geht auf engstem Raum, dass nahezu alle Kulturen der Welt in einer Schlange stehen und geduldig warten und miteinander reden.

Rucksäcke müssen draußen bleiben

Die Schlange bewegte sich gemächlich in Richtung Eingang und wir wussten, dass wir unsere Rucksäcke loswerden mussten. Beim Blick auf die sichtbare Schließfachwand kam einen Ahnung auf, dass der Platz für die Rucksäcke vor uns in der Reihe schon nicht reichen wird. Wer rauf möchte, darf aber keinen Rucksack mitführen… Eine leichte innere Unruhe kam auf. Ablenkung gab es nicht, denn die Zahl der Rucksäcke vor uns steigerte sich. Familien stehen in Schlangen ungern als komplette Gruppe an – wir ja auch nicht, und wenn der Familienvertreter – zumeist das älteste männliche Mitglied der Gruppe – nahe genug am Eingang stand, gesellten sich die anderen Mitglieder der Gruppe hinzu. 😯

Als wir in Höhe des Eingangs ankamen, sortierten sich auch unsere Kinder in die Schlange ein – die beiden hatten KEINE eigenen Rucksäcke. Jetzt sahen wir auch drei weitere Wände mit Schließfächern und unsere Anspannung wich starker Erleichterung. Wie es so üblich ist, fand sich hier auch direkt ein Souvenirshop mit allerlei Kitsch und Krempel.

Nachdem wir schon beim Boarding an der Fähre gründlich gescannt und die Taschen durchleuchtet wurden, ging die Sicherheitsprozedur hier weiter. Die Tickets sind personalisiert und der freundliche Ranger wollte die dazu passenden Pässe sehen. Diese trugen wir immer bei uns, so auch diesesmal. Nun kam der freundliche Hinweis, dass Taschen, Rucksäcke, Essen und Getränke (außer Wasser) eingeschlossen werden müssen, Kameras und Medikamente sind erlaubt. Hier kamen sie zum ersten mal zum Einsatz – meine Neopren-Objektiv-Köcher. Diese konnte ich am Gürtel oder mittels Karabiner auch an den Gürtelschnallen befestigen. Somit musste ich mich während des Aufenthaltes nicht einschränken in der Auswahl der Objektive.

Nachdem wir zunächst versucht haben, die zwei US-Dollar für die zweistündige Schließzeit mit einem Zehner zu bezahlen, mussten wir erstmal Geld wechseln. Ging schnell, schien aber sichtlich zu nerven – also den Mitarbeiter im Shop. Ungewöhnlich war, dass hier keine Kreditkarte akzeptiert wurde. Dann haben wir zwei Fächer gemietet, denn in eines passt ziemlich genau ein durchschnittlicher Rucksack. Mein Fotorucksack ist etwas umfangreicher, mit sanfter Gewalt ließ sich aber auch diese Tür schließen. So standen wir bereit für den Aufstieg.

Nicht so schnell! Sicherheit geht vor!

Um der Freiheitsstatue endlich zu Kopfe steigen zu können, wurden wir erneut gescannt – das volle Programm. Taschen leeren, Gürtel raus, Mütze ab und durch den Detector – und immer wieder der Hinweis, dass jegliche Speisen und Getränke in der Freiheitsstatue verboten sind. Einige Gäste – nach meinen Beobachtungen meist Amerikaner – schienen das mit dem Essen und Getränken weder auf Chips, Schokoriegel oder Softdrinks zu beziehen. Denen wurde durch die strengen Ranger sehr deutlich gemacht, dass die Regeln auch dafür gelten. Wegwerfen oder zurück und in den Schrank einschließen (und nochmal die zwei Dollar löhnen, denn durch das Öffnen endete die Mietzeit – gerissen diese Amis) oder vor den Augen des Ranger komplett verzehren.

Dieser Teil – also Ablegen am Battery Park bis zum passieren der letzten Kontrolle – hat eine Stunde gedauert. Gebt zu, ihr dachtet es sei mittlerweile später Nachmittag. 😉

Nu aber ruff!

Nachdem sich meine Damen auf den Aufstieg vorbereitet hatten, begann dieser auch. Könnt Ihr Euch an die Audioguides erinnern? Diese gaben wir jetzt wieder ab. Es lagen die ersten 215 Stufen vor uns, alle angenehm breit und gut klimatisiert. Wir merkten die Stufen nicht in den Beinen, so dass der Aufstieg auch schnell erledigt war.

Auf der ersten Plattform angekommen, zog es uns Richtung Krone, doch eine gut gelaunte Rangerin verweigerte uns den Zugang. Sie machte uns klar, dass wir uns zuächst auf dem Podest umsehen sollen, danach wird Sie uns den Aufstieg freigeben. Also raus und da war es wieder… dieses wow! Der Blick über das Wasser auf Manhattan, die beeindruckende Skyline, die Schiffe, die Helikopter – einfach nur wow. Meine Kamera, aber auch die Kamera von Jasmin und meiner lieben Ehefrau wurden kräftig genutzt. Sattsehen geht einfach nicht. Nachdem wir die Runde gemacht haben, standen wir wieder vor der Rangerin. Jetzt ließ sie uns gewähren und spätestens jetzt wussten wir, warum Taschen und Rucksäcke unangebracht sind. Die Wendeltreppe, die in die Krone führt, ist schmal und steil. Es gibt hier nur einen Weg – im Gänsemarsch rauf. Aufgrund der Bauweise – die Dame hat sich komplett in Kupfer gehüllt und verzichtete auf eine Klimatisierung – warnten viele Seiten, dass es im Inneren der Freiheitsstatue im Sommer bis zu 10° Celsius wärmer sein kann, als außerhalb. Wenn das zutrifft, erwarteten uns zwischen 40° C und 45° C unter dem Gewand der Lady Liberty. Dem war nicht so, es herrschten sehr angenehme Temperaturen, die den Aufstieg zu einem Genuß werden ließen.

Im engen Kreis ging es also hoch, 75 Stufen. Kleine Austritte erlaubten ein Blick ins Innenleben.

Die Tragkonstruktion hat ein gewisser Gustav Eiffel (der mit dem Turm in Paris) erdacht und – so habe ich es später auch bestätigt bekommen – es ist Stahlfachwerk. Beeindruckend, diese Technologie wurde schon 1700 v. Chr. mit Holz angewendet und findet sich noch heute in modernen Brücken-, Fassaden- und Dachkonstruktionen wieder. In Berlin ist ein bekanntes Fachwerk am Kaisersaal im Sony Center am Potsdamer Platz zu bewundern – genug zur Architektur, weiter geht’s…

Ein dickes Lob an dieser Stelle an unsere Kinder – bis hierher haben sie jede Stufe ohne Murren mitgemacht, kein „Wann sind wir endlich oben?“, kein „Ich mag nicht nach oben…“. Danke dafür! 🙂

Oben angekommen ist das Gefühl einfach großartig. Der Blick aus der Krone ist wenig spektakulär, aber das „WIR haben es geschafft“ – Gefühl ist absolut toll. Oben warten auch zwei Ranger auf einen und ich glaube, dass dieser Arbeitsplatz zum Lächeln bringt. Nun waren wir es, die dort oben um die Wette strahlen. Nun waren wir es, die vor Stolz platzten. Nun waren wir es, die von der netten Rangerin gefragt wurden, ob sie ein Familienfoto machen soll. Als ich ihr reflexartig das iPhone reichte, lehnte sie ab und verwies auf meine Kamera, die sie mit den Worten „is better quality“ forderte. Mir verschlug es fast den Atem, soviel Glück an einem Ort? Ich gab ihr die Kamera und sie löste aus, schaute aufs Display und fluchte leise wegen des Gegenlichtes. Dann drückte sie erneut ab und fand die Aufnahme gelungener.

Wir konnten noch einen Blick in den Schacht zur Fackel erhaschen – dorthin kommt man leider nicht mehr – und dann begann der Abstieg. Auch hier haben die Konstrukteure gut gearbeitet, denn man steigt in einem versetzten Kanal nach unten, so dass man nicht auf Gäste trifft, die nach oben wollen.

Freiheitsstatue – erlebbare Geschichte

Im Podest der Lady Liberty findet sich ein Museum, das die Entstehung, Finanzierung, Geschichte und Gegenwart dieser älteren Dame darstellt. Ich habe die Führung sehr genießen können, denn die Exponate und Zeichnungen wurden durch den Audioguide sehr gut und verständlich erklärt. Wenn Ihr mehr wissen wollt, fahrt einfach nach New York und besucht die Freiheitsstatue. 🙂 Selbst unsere Kinder haben den Erwachsenen-Kanal gewählt, denn die Kinderversion ist wohl sehr kurz gehalten. In der Kinderversion führt ein Turmfalke namens Francis über das Gelände und die Ausstellung, ob es sich um eine Falkin oder einen Falken handelt, wurde mir nicht überliefert, das könnt Ihr dann Eure Kinder fragen, wenn Ihr dort gewesen seid. 😉

Nochmal ruff!

Wir hatten noch nicht genug und haben nochmal den Aufstieg zum Podest (215 Stufen) in Angriff genommen. Der Aufstieg in die Krone war nicht mehr möglich, denn unsere Bändchen dafür wurden uns bei Beginn der letzten Etappe zur Krone abgenommen. Wir wollten aber auch die Freiheitsstatue endlich von Nahem und von Vorne sehen. Diesmal meldeten sich die Waden und Oberschenkel ab der Hälfte der Stufen. Oben angekommen gingen wir direkt wieder einige Stufen runter,  um in den alten Fort-Bereich zu kommen. Hier hielten wir uns eine ganze Weile auf und fotografierten die Umgebung, die Freiheitsstatue und die Fahne. Nach einem Familienselfie mit vier Damen ging es dann zum Ausgang aus dem Sicherheitsbereich, denn der Magen meldete sich und verkündete aufkommenden Hunger. Also schnell die Rucksäcke rausholen und los. Wenn, ja wenn da nicht die Zweistundengrenze überschritten worden wäre. Jedes unserer Fächer kostete einen weiteren Dollar und die Rucksäcke waren erlöst.

Im Schatten haben wir dann vier Stühle zusammen gestellt und eine ausgedehnte Pause gemacht. Dabei wurde beschlossen, dass wir die Fähre auf Ellis Island nicht verlassen werden, die Kinder waren platt wie ne Flunder. Mit der Fähre ging es dann an Ellis Island und an der Freiheitsstatue vorbei zurück nach Manhattan.

Bongo Jack und seine Frau aus Schwaben

Am Battery Park haben wir ausgesprochen gut gelaunt die Fähre verlassen und den Weg zur U-Bahn eingeschlagen. Dabei beobachteten wir erneut die im Film oben dargestellte Besonderheit und stiegen in den Zug ein. Mit uns stieg dann auch ein Straßenkünstler ein und sortierte seine Tageseinnahmen. Er fragte uns, ob wir Deutsche seien – man muss uns das angesehen haben – und verließ dann fröhlich unseren Wagen durch die Verbindungstür. Ein oder zwei Stationen später kam er wieder in unseren Wagen und stellte sich als Bongo Jack vor. Er gab eine Interpretation von Ella Fitzgeralds Klassiker Summertime zum Besten und begeisterte uns durch seine entspannte und lockere Art. Ein kleines Filmchen gefällig? Bitte schön!

Bongo Jack interpretiert Summertime from Jan Junghahn on Vimeo.

Nach diesem künstlerischen Genuss verabschiedete er sich bei uns und wies uns noch darauf hin, dass seine Frau aus Schwaben kommt. Deshalb verabschiede er sich auch nicht mit einem Tschüß, sondern mit einem „Auf Wiedersehen“. Wieder mal  schlief Johanna in der U-Bahn ein und Jasmin hielt gerade so die Augen offen.

Im Hotel angekommen, ging Johanna freiwillig ins Bett und schlief ein, Jasmin nutzte ihren Nintendo zur Entspannung. Der für Abends geplante Familienausflug auf die Brooklyn Bridge wurde zunächst auf meine Jasmin und mich geschrumpft. Aber auch Jasmin gestand uns, dass sie für die Tour zu erschöpft sei. Johanna und meine liebe Ehefrau – die beste von allen – holten sich etwas Salat zum Abendessen, während Jasmin und ich zum Columbus Circle liefen, um das nächtliche New York auf die Speicherkarten zu bannen.

Auf dem Rückweg genehmigten wir uns noch einen Hot Dog und um 23:00 Uhr waren wir wieder im Hotel und fielen erschöpft ins Bett.

Jetzt habt Ihr wieder über 2.200 Worte ertragen, da habt Ihr Euch auch einige Bilder verdient.

Vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Teilen – Gute Nacht.

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