Finale in New York

Reisetagebuch unserer USA Reise Tag 8 22.07.15

Blauer Himmel und Sonnenschein, so begrüßt uns die Stadt zum großen Finale in New York an diesem Morgen. Auf dem Plan steht heute Coney Island (die Badewanne von New York) und das große Finale auf New Yorks neuestem Wolkenkratzer. Das One World Trade Center bildet die Kulisse am letzten Abend in dieser wahnsinnig aufregenden Stadt.

So langsam glaube ich auch, dass in der Umgebung unseres Hotels niemand wohnt, der Englisch versteht, denn auch heute morgen ist mein Gruß an die Stadt unbeantwortet geblieben. Eine Chance gebe ich der Stadt noch! 😡

Nach der Erfahrung von gestern, waren wir heute wieder um 8:00 Uhr beim Frühstück. Es war voll, sehr voll – wir mussten mit knurrendem Magen warten und saßen dann wieder getrennt. 🙁

Badeausflug – Das Finale in New York beginnt

Das Wasser des Atlantik, des East River und des Hudson River, der unzähligen Springbrunnen und Dachpools haben wir bei unseren Ausflügen immer wieder gesehen. Das Verlangen, einfach reinzuspringen um sich abzukühlen, wurde durch die Umgebungstemperatur von zeitweise 38° Celsius im Schatten immer stärker. Damit wir mit den überall anwesenden Ordnungshütern nicht in Konflikt geraten, ist heute ein Badeausflug angesagt. Nun hätten wir einfach den Wasserspielplatz im Central Park aufsuchen können oder das Schwimmbad, das unser Hotel einen Block weiter anbietet mit Badekappenpflicht. Wir haben uns aber entschlossen, im Atlantik zu baden.

Die New Yorker (ob allein, als Pärchen, als Familie, als Klassenausflug) fahren nach Coney Island und da wir uns schon ein wenig wie New Yorker fühlen – nach der Einreise hörten wir immer „Sie werden assimiliert, Widerstand ist zwecklos!“ – schließen wir uns dem Kollektiv an und starten unser Finale in New York hier.

Und wieder geht es abwärts

Als Subway Profis haben wir uns zunächst mit unserer Hauslinie (1,2 oder 3) bis zum Timesquare / 42nd Street auf den Weg gemacht. Dort sind wir in die Linie D umgestiegen. Über die Manhattan Bridge ging es dann raus bis zur Endstation Coney Island. Die Fahrt dauert von Station zu Station etwas mehr als ein Stunde. Da es auf der Manhattanbridge aus Manhattan raus geht, konnten wir den Fußweg sehen. Erst hier haben wir entdeckt, dass wir auch über diese Brücke hätten laufen können. „Nicht gemacht, dann eben beim nächsten Mal!“ war unser Satz für diese Erkenntnisse, denn eines war auch schon vor dem Finale in New York sicher: Wir kommen wieder!

Auf der Fahrt konnte meine Frau die Bekanntschaft mit einem schlafenden Fahrgast machen. Immer wieder kippte der junge Mann in Richtung ihrer Schulter, zuckte aber kurz vor der Berührung hoch. Wir amüsierten uns köstlich und fragten uns, ob sein Ziel auch Coney Island war. Als der Zug anhielt stand der junge Mann schlaftrunken auf, orientierte sich kurz und verließ entspannt den Zug – ich vermute mal, er wollte zu dieser Station.

Der Bahnhof von Coney Island ist ein klassischer Sackbahnhof oder Kopfbahnhof (man kennt das aus Leipzig). Hier treffen verschiedene Subwaylinien ein.

Is ditt voll…

So oder so ähnlich hätte der Berliner beim ersten Blick auf den Strand reagiert. Im zentralen Bereich vor dem Wonder Wheel, den Imbissbuden, den Bars und den Läden drängten sich die Leute dicht an dicht. Rechts von der Seebrücke war der Strand gähnend leer. Damit war klar, dass wir dort unseren Platz suchen werden – aber erst später. Neben dem Strand gibt es an der Promenade einen Vergnügungspark, der sich sehen lassen kann. Autoscooter, verschiedene Achterbahnen, Kettenkarussel, Hau den Lukas – alles, was eine klassische Kirmes in Deutschland ausmacht, nur das diese hier jeden Tag um 12:00 Uhr öffnet.

Warum Wonder Wheel?

Die Anlagen in Coney Island waren lange dem Verfall preis gegeben. Erst vor einigen Jahren wurde der Betrieb wieder aufgenommen, die Promenade saniert und die Fahrgeschäfte restauriert. Deno’s Wonder Wheel ist an diesem Ort seit 1920 und in seiner Art besonders. Neben den Kabinen, die außen am Rad angebracht sind, gibt es bewegliche Kabinen. Diese bewegen sich mal nach Innen zur Achse und mal nach außen. Man rast also einmal in Richtung Achse, stoppt kurz davor und da die Gondel nur an einer Achse befestigt ist, schaukelt das Teil erstmal fröhlich. Dann hat man sich beruhigt und schon geht es Richtung Felge. Dieser Moment ist noch kribbliger, denn die Gondel rast auf eine der Außengondeln zu und in Richtung „Freiheit“. Das Schaukeln am Ende verleiht einen zusätzlichen Nervenkitzel, denn man weiß nicht, ob man nicht doch die andere Gondel schrammt und ob auch die Verankerung hält.

Johanna hat den Nervenkitzel lachend, juchzend, strahlend mitgemacht und freute sich, dass nach einer Umrundung nicht schon Schluss war. Jasmin wiederum war ganz still und hätte es begrüßt, nach der ersten Umrundung aussteigen zu können. Wir Alten saßen hinter den beiden und haben uns über Johanna amüsiert und bei Jasmins Gesichtsfarbe etwas Sorgen gemacht.

Kaum waren wir raus, fragte ich: „Na, noch ne Runde?“ Ich stelle die Reaktionen der Kinder mal als Smileys dar:

Johanna 😀

Jasmin 😯

Die Frage war auch eher als Scherz gemeint, denn wir wollten endlich zum Strand.

Tücher und ein Sonnenschirm

Die Sonne bewegte sich in einen Winkel, der die Anschaffung eines effektiven Familiensonnenschutzes erforderlich machte. Am Strand sind dafür bekanntlich die günstigsten Angebote zu erhalten und so schlugen wir zu. Der große Schirm für 20 $ hatte es uns angetan. Damit die Basecaps der Kinder nicht unnötig nass werden, kamen dann noch zwei Tücher für günstige 5 $ dazu.

Ein kurzer Abstecher auf die Seebrücke und dann nichts wie an den Strand.

Kaum betraten wir den feinen und verdammt heißen Sand, veränderte sich der Bewegungsablauf der Kinder dramatisch. Während sie auf der Promenade eher schlenderten und den Eindruck einer gewissen Müdigkeit zeigten, muss der Sand einen Schalter umgelegt haben. Man sah nur eine Staubwolke, die sich in atemberaubender Geschwindigkeit auf das Wasser zu bewegte; erste Leute sprachen von Tornados. Wir – meine liebe Frau und ich – suchten den idealen Platz – kurz Beschreibung: locker 100m breiter Sandstrand ohne Schatten, die ersten fünf Meter am Wasser durch Familie, Gruppen und Sandburgen besetzt – und fanden diesen – am Strand. 😉 Wenn Kinder sich zu allen Gelegenheiten so beeilen würden, wie beim Umziehen für das Bad im Meer… Die erste Runde im Wasser war mir gegönnt und es war erholsam.

In der Folge des Bades setzte bei uns Hunger ein und der Rucksack meiner Frau erfuhr die berühmte Erleichterung.

Unser Sonnenschirm musste, da die Verankerung im Boden nicht halten wollte, gehalten werden, denn es wehte ein wechselhafter Wind aus unterschiedlichen Richtungen. Endlich hatte ich Zeit, meine Sozialstudien zu finalisieren.

Sozialstudien in New York!

Am Strand ordnete ich die Leute in Hierarchien ein. Diese Hierarchien bewegen sich zwischen „Dienstpersonal“ und „Kaiser“, wobei ich in weiteren Studien die Zuordnung stärker unterteilen musste.

So witzig, wie ich es beschrieben könnte, ist es leider nicht! Es ist leider umgekehrt. Der Körperumfang verhält sich in vielen Fällen reziprok zum zur Verfügung stehenden Einkommen. So sehr uns die USA als Land gefallen und der Umgang mit den Menschen vor Ort Spaß macht, so sehr erschrickt es uns, wie vielen Menschen aufgrund eines sehr geringen Einkommens ungesund leben müssen.

Die gesunden Lebensmittel kosten in den USA sehr viel Geld. Ein Brot, dessen Zutatenliste nicht sieben Formen von Zucker enthält kostet 5$, ein Stück Butter (doppelte Menge unserer Butter ungefähr) kostet mindestens 3$. 10 kleine Brötchen bekommt man für 2,99$, gesunde Säfte (ohne Zusätze) sind nicht unter 2,50$ zu bekommen. Eine verdammt große Flasche eines Zuckerwasserersatzes mit ungewöhnlicher Farbe ist allerdings schon für 1$ zu erhalten. Obst und Gemüse kann man mundgerecht für 20$ bekommen, eine Melone hat gern mal 15$ gekostet. Milch, Käse, Joghurt sind teuer, Brotaufstriche deren Zutatenliste der von Chemiewaffen sehr ähnlich ist, kann man günstig bekommen.

Erschreckend war anzusehen, wie viele Kinder deutlich zu dick waren. Da wurden Körpermassen durch die Gegend geschleppt, dass man es mit der Angst zu tun bekam. Es ist egal wo wir das in den USA gesehen haben, die Mischung war überall gleich. Gesundes Leben mit Sport und gesundem Essen kann man sich in den USA nur mit dem entsprechenden Einkommen leisten. Leider macht dieser Trend nicht an der Atlantikküste halt, wobei eine bei uns ausgewogene und gesunde Ernährung (es muss nicht BIO sein) auch mit geringem Einkommen nach meiner Meinung möglich ist.

Gebt acht auf Euch, was das betrifft!

Finale in New York – auf zum zweiten Teil

Einige Stunden am Strand haben wir zugebracht, doch heute Abend haben wir um 19:30 Uhr einen wichtigen Termin, also zurück zur U-Bahn, mit Linie D bis zum Timesquare / 42nd Street und dann mit Linie 1, 2 oder 3 bis zur 72nd. Street. Im Hotel haben wir uns Salz und Sand vom Strand abgeduscht und ich habe seit Tagen mal wieder Haargel benutzt, denn ein echtes Highlight stand nun an. Aber wie kommen wir hin? Ganz einfach, mit der U-Bahn. Alle waren aufgeregt und voller Vorfreude, denn der Himmel war klar und einige Wolken schmückten ihn.

Wir kannten nur ein Ziel, das One World Trade Center, das höchste Haus der westlichen Welt, das höchste Haus der USA. Erst am 29.05.2015 wurde die Besucherplattform in der 101. und 102. Etage eröffnet. Die Erfahrungsberichte überschlugen sich mit Superlativen und nun würden wir als erste Junghähne dieses Haus betreten. Es kribbelte, denn aus dem Rockefeller Center und vom Empire State Building (Ihr wisst schon ESB 😉 ) waren wir schon einiges gewohnt, was Entertainment und Show betrifft. Wir sollten nicht enttäuscht werden.

Wow, ist das hoch

Wenn Ihr vor dem Fernsehturm in Berlin steht, empfindet man diesen als hoch – 368 Meter. Chrysler Building (282 m), Rockefeller Center (259 m), Empire State Building (381 m) – alles hoch. Jetzt stehen wir vor dem als Freedom-Tower bekannt gewordenen One World Trade Center und werden uns bewusst, dass dieses Gebäude 541 m hoch ist. Ich finde, dass die Ingenieurleistung Wahnsinn ist. Denn der Architekt hat ja „nur“ die Idee, die Ingenieure dann umsetzen müssen. Ich erwartete, dass uns lange Schlangen begrüßen würden, dem war nicht so. Also rein und ab in den Keller. An jedem neuralgischen Punkt standen freundliche junge Leute, die einem den Weg wiesen und so standen wir an der Sicherheitskontrolle. Meine Frau hat die Nagelschere im Hotel gelassen und so kamen wir ohne weitere Behandlung rein. Durch einen Gang, der uns den Manhattan-Granit zum Greifen nah brachte und immer wieder Bilder von den Zwillingstürmen, von der US-Flagge auf den Trümmerbergen und dem Bau des neuen World Trade Center zeigt, standen wir nun vor dem Aufzug, der uns nach oben bringen soll.

Die Show beginnt

Erinnert Ihr Euch noch an die Show im Rockefeller Center – unserem Auftakt in die New Yorker Höhenluft? Das war nichts, gegen das, was uns jetzt erwartet. Wir betreten einen Aufzug – gesteuert über iPad’s, mit denen die Guides ausgestattet waren -, die Türen schlossen sich und wir standen im Granit. Alle Wände waren mit Monitoren verkleidet. Als sich der Aufzug in Bewegung setzte, rasten wir durch die Zeit. Erdgeschichte, die ersten Besiedlungen (Hatta Mana? Manahatta!), die ersten Siedler aus Europa, die Hochhäuser, kurz die Zwillingstürme und dann… geht die Tür vom Aufzug auf und man sieht … NÜSCHT, außer ne Wand. Hier werden wir mit einigen anderen Besuchern aufgehalten.

Die Show geht weiter

Auf der Wand wird das pulsierende New York gezeigt. Straßen, Menschen, Schiffe im Hafen, die Freiheitsstatue. Man fährt durch die Straßen, fliegt über den Central Park und dann geht die Wand hoch.

Gänsehaut überzieht jeden Quadratmillimeter der Haut, ein lautes Wow! entfährt mir, die Kinder stehen gebannt da, keiner bewegt sich. Um uns rum nur begeisterte Gesichter und ungläubiges Staunen. Uns wird zum ersten mal der Blick auf Manhattan freigegeben. Die unter Fotografen beliebte goldene Stunde (Die Zeit vor Sonnenuntergang bzw. direkt nach Sonnenaufgang, das Licht ist so wunderbar weich und fast golden) fing gerade an.

Das große (hohe) Finale in New York

Ab jetzt übernahm die Natur die Regie und wir wurden weiter gebeten. Man wollte uns fotografieren, das haben wir abgelehnt. Wir hätten uns ein iPad ausleihen können, um die Umgebung erklärt zu bekommen, das haben wir auch abgelehnt und so durften wir aus der 102. Etage in die 101. Etage. Was nun begann, war ein wahrer Fotowahn. Wir hatten einen Weitblick von 60 – 80 Kilometer und konnten dadurch zum ersten Mal ganz New York überblicken. Wir konnten 20 Millionen Menschen auf die Teller gucken. Am Horizont veränderte die Sonne die Farbe von Gelb in Orange und die Wolkenkratzer – die mal locker 160 m kleiner waren, wurden wunderbar beleuchtet. Da die Verwendung von Stativen nicht gestattet ist, hatte ich ein Kirschkernkissen dabei. Dadurch war es mir möglich länger zu belichten. Der eingesetzte Polfilter entspiegelte die Scheiben weitgehend, gegen Fingerabdrücke ist der machtlos. Immer wieder löste ich aus, immer wieder löste Jasmin aus, immer wieder löste Johanna aus, immer wieder löste meine liebe Ehefrau – die beste von allen – mit Ihrem Handy aus. Auch die Sonne hat jetzt ihr großes Finale in New York. In den Farben Orange und Rot versank sie im Westen hinter dem Horizont und läutete den Beginn der blauen Stunde ein. Das Licht zu dieser Zeit färbt alles in einen zum Teil nur sehr zarten Blauton. Diese Zeit vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang nennt man die blaue Stunde. Die Stadt unter uns fing an zu leuchten. Die Reklamen am Timesquare fingen ihr abendliches Programm an, die Brücken leuchteten und Autos zogen rote und weiße Striche in den Straßen. Jasmin und ich vergaßen die Zeit.

Meine Frau wies mich dann darauf hin, dass wir alle noch kein Abendessen hatten und Johanna müde war. Ein Blick auf die Uhr und es war klar, dass wir fast zwei Stunden schon oben waren. Auf dem Weg nach unten haben wir einen Stop im Shop gemacht, denn unser Kühlschrankmagnet musste noch käuflich erworben werden.

Ganz ohne Übertreibung: Die war nicht der höchste Sonnenuntergang den ich erleben durfte, es war auf jeden Fall der faszinierendste bisher. Fotografisch eine absolute Herausforderung, emotional das erhoffte große Finale in New York.

Die Fahrt nach unten verlief wie die nach oben, nur das wir jetzt in der Zeit zurück fuhren. Unten angekommen wurden wir herzlich und zumTeil überschwänglich verabschiedet.

Futter fassen, ab ins Bett

Nachdem wir dieses große Gebäude verlassen haben, erhaschten wir noch einen Blick auf das 9-11-Memorial. Die Becken waren jetzt beleuchtet aber abgesperrt. Auf unserem Weg zur U-Bahn kehrten wir noch in eine Filiale von Burger King ein. Jeder einen Burger und etwas zu trinken. Ich besuche in Deutschland diese Läden (egal welche Kette) nicht mehr und in dem Willen wurde ich hier bestärkt. Nachdem wir gegessen hatten, ging es zur U-Bahn. Die Kinder schliefen in der U-Bahn ein und ein Mann fragte uns, ob es ein anstrengender Tag war. Wir beschrieben kurz, dass wir baden und im One World Trade Center waren und er nickte verständnisvoll. Er fragte noch, ob wir in Coney Island waren, das bejahten wir. Im Hotel angekommen tranken wir noch ein Bier und packten die Koffer. Morgen wird ein stressiger Tag werden, wie stressig der Tag wird, ahnten wir noch nicht.

Ihr habt Euch an dieser Stelle wieder einige Bilder verdient. Danach heißt es wieder:

Danke für’s Lesen, Kommentieren und Teilen! Gute Nacht!

 

 

 

 

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