Die ISS fotografieren

Spacestationspooting – ISS sehen und fotografieren

Nicht erst die Reise des deutschen Astronauten Alexander Gerst zur internationalen Raumstation ISS hat mein Interesse an der Raumfahrt belebt. Auch die Fotos, die Commander Chris Hadfield (Kanada) von der ISS sendete und der Besuch des Kennedy Space Center in Florida haben mich für die moderne Raumfahrt begeistert. Um so mehr finde ich es spannend, die ISS in ihrem Flug zu fotografieren. Wie das gehen kann und welche Hilfsmittel es gibt, versuche ich in diesem Artikel zu erklären.

Die ISS über Dresden

Dass Dresden eine Reise wert ist, habe ich im Artikel Dresden – eine Fotoreise beschrieben. Auch die Besatzung der ISS muss diesen Artikel gelesen haben ;-),  denn am 12.06.2014 während des WM- Eröffnungsspiels in Brasilien flog die Raumstation mit 27.900 km/h über Dresden hinweg. Die Betreiber von DDPIX haben den Flug dokumentiert und mich zu diesem Artikel animiert.

In einem Blogartikel haben die Betreiber von DDPIX auch über dieses Foto berichtet. Dabei wurde auf eine App hingewiesen, die für Android kostenlos zur Verfügung steht. Ich beschäftige mich hier auch kurz mit Apps für iOS, im Speziellen für das iPad.

Welche Ausrüstung ist notwendig

Die ISS ist mit einer verdammt hohen Geschwindigkeit unterwegs. Bei 27.600 km/h hätte man in 1/25 Sekunde die Autostrecke vom Berliner Fernsehturm zur Frauenkirche in Dresden zurückgelegt. Von der Freiheitsstatue in New York zur Golden Gate Bridge in San Francisco würde man innerhalb von 10 Minuten und 12 Sekunden gelangen. Wer es nachrechnen möchte, kann das hier machen.

Anhand der Beispiele ist wohl klar, dass wir die ISS nicht in ihrer Schönheit einfangen können, zumal diese Aufnahmen auch nur Abends oder Nachts gelingen, denn dann wird die ISS von der Sonne angestrahlt und kann das Licht reflektieren. Erst dadurch wird die Raumstation sichtbar.

Nach diesen Informationen ist auch klar, dass wir die ISS nicht aus der Hand fotografieren können. Also gehört folgendes Equipment in die Fototaschen / den Fotorucksack:

  • Kamera 😉
  • Weitwinkelobjektiv (UWW kann ich nicht einschätzen)
  • stabiles Stativ
  • Kompass oder Smartphone mit Kompassfunktion

Zusätzlich empfehle ich noch einen Fernauslöser (Kabel, Funk oder IR kann jeder selbst entscheiden); zur Not macht es auch der Timer in der Kamera. Je nach Wetterlage empfehle ich noch Getränke, Speisen und etwas Warmes zum Anziehen. Die passende Musik habe ich auch gefunden – seht und hört selbst.

Wie fotografiere ich die ISS?

Um die ISS zu fotografieren, muss man sich im Vorfeld unbedingt mit der Umgebung und dem möglichen Tageslicht vertraut machen. Dank der Apps kann man am gewählten Standort ganz einfach die Situation erkunden. Bei meinem ersten Versuch stand ich mitten im Nichts und entsprechend langweilig sind die Fotos. Das lag daran, dass ich im Vorfeld nicht überlegt habe, ob sich der gewählte Standort eignet.

Beim zweiten Versuch war ich schlauer. Mit Karte, Kompass und den Daten aus der App habe ich meinen Standort gesucht und gefunden. Zudem hat an dem Tag das Wetter exzellent mitgespielt, so dass ich wirklich DAS EINE Foto inszenieren konnte. Ich konnte die moderne Architektur am Treffpunkt der Bezirke Treptow, Friedrichshain und Kreuzberg mit dem Flug der ISS verbinden. Das Licht der vergehenden blauen Stunde war dabei ein grandioser Hintergrund.

Belichtungszeiten jenseits der 30 Sekunden sind bei den Aufnahmen normal gewesen. Um die Bahn der ISS sichtbar zu machen, lag die Belichtungszeit bei 62 Sekunden.

In der Bearbeitung der Bilder mit Lightroom ging es zuerst darum, die Flugbahn der ISS hervorzuheben. Vor allem bei der Aufnahme mit urbanem Flair hat sich das als große Herausforderung dargestellt, denn die ISS war an diesem Tag weniger gut zu sehen und das Licht der Umgebung hat diesen Effekt noch verschärft.

 

Die ISS über Berlin

Der geneigte Betrachter erkennt einen langen, schmalen Strich – das ist die ISS. Ein Klick und das Bild zeigt sich bei Flickr in seiner vollen Schönheit.

Wo ISS sie denn?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die ISS ausfindig zu machen.

1. Houston anrufen

Vorteil: Fachspezifische Fremdsprachenkenntnisse werden aufgefrischt.
Nachteil: Das Wort „shoot“ könnte falsch verstanden werden.

2. Vorher im Internet nachsehen

Die Seite iss.de.astroviewer.net zeigt genau, wo die ISS gerade ist. Auf einer weiteren Seite kann man auch einen Plan einsehen, wann die ISS in Europa am Himmel zu sehen ist.

3. Eine Smartphone App nutzen

Die komfortabelste Möglichkeit, der ISS nachzustellen ist es, am gewählten Standort das Handy oder Tablet rauszuholen und sich dank GPS und Kompass die genaue Richtung und Dank der Daten in der App auch den Winkel des Aufgangs und Untergangs sowie den Verlauf zeigen zu lassen.

Ich stelle hier eine Android App vor, die sowohl auf den Android Smartphones als auch auf den Tablets mit dem Google Betriebssystem funktioniert und eine App, die ich auf dem iPad getestet habe.

ISS Apps – die Gemeinsamkeiten

Die von mir genutzten Apps – und das ist die erste gute Nachricht – sind kostenlos. Dafür muss man mit Werbung leben. Beide Apps zeigen sehr zuverlässig auf Basis des eigenen Standortes an, wann die ISS am Himmel aufgehen wird und vor allem wo. Beide Apps stellen auch die Laufbahn dar – sowohl grafisch als auch auf einer Karte (beide mit google maps). Somit kann man sich auf beide Apps verlassen.

Termine mit Alarm

Beide Apps ermöglichen, dass man sich erinnern lassen kann, wann die ISS am Himmel auftaucht. Die Erinnerung muss man dann aber auch so einstellen, dass man dann auch die Technik aufbauen und ausrichten kann.

Wo sind die Unterschiede?

Die Unterschiede sind im Detail. Noch während ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich die App auf dem iPad wieder gelöscht und auch alle Apps, die ich bei iTunes gefunden habe, sind im Papierkorb gelandet. Die Darstellung war ordentlich, wenn man jedoch zusätzliche Satelliten sehen wollte, habe ich keine sinnvolle Erweiterung gefunden. Manche iOS Apps verlangten gar, dass ich meinen Standort festlege. Das mag für einen sehr kleinen Ort gehen, wenn ich mir aber überlege, wie groß Berlin ist und wie sich die Zeit der Sichtung durch den Standort verschieben kann, ist das keine komfortable Lösung.

Die App ISS Detector, die ich als kostenlose Android Version nutzte, liefert zusätzlich die verschiedenen Iridium-Satelliten. Würde ich das Upgrade durchführen (aktuell 2,49 €) könnte ich auch noch eine Sternenkarte und viele zusätzliche Satelliten auf der Karte sichtbar machen. Die App erstellt auch – wenn gewünscht – Termine und startet einen hörbaren Countdown 10 Sekunden bevor die ISS am Himmel zu sehen sein soll.

Der Kompass und die Neigungsanzeige helfen, die Kamera genau auszurichten, so dass man schon sehr gut vorbereitet auf den entscheidenden Moment warten kann.

Nun habt Ihr lange genug gelesen. Hier kommen die Bilder zu diesem Projekt.

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