Bewegungsunschärfe – Bilder leben lassen

„Motion blur“ oder Bewegungsunschärfe

Ein beliebtes Stilmittel in der Fotografie ist die Bewegungsunschärfe. Damit lässt man Bewegungen und Unschärfe im Bild bewusst zu. Diese Bewegungsunschärfe erreicht man durch „Mitziehen“ oder durch eine längere Belichtung. Die Wirkungen der beiden Methoden sind sehr unterschiedlich. Ich versuche in diesem Artikel auf beide Möglichkeiten einzugehen, die Bewegungsunschärfe entstehen lassen.

Warum erzeugt man Bewegungsunschärfe?

Fotografie ist an sich etwas sehr statisches, denn im Gegensatz zum Filmen – egal ob Film oder Timelapes – kann man Bewegung nur sehr eingeschränkt in einem einzigen Bild darstellen. Um einem Bild mehr „Leben“ zu verleihen, arbeiten viele Fotografen mit der Bewegungsunschärfe. Ein fahrendes Auto wirkt erst durch den „Mitzieheffekt“ als bewegtes Objekt und der abendliche Straßenverkehr wird durch eine Langzeitbelichtung erst als in Bewegung befindlich wahrgenommen.

Wo sind die Unterschiede?

Beide Möglichkeiten – also Mitzieheffekt und Langzeitbelichtung – sorgen für ganz unterschiedliche Wirkungen.

Beim Mitzieheffekt verwischt durch das Mitziehen der Kamera in der Bewegung der Vordergrund und der Hintergrund, das im Fokus befindliche Objekt, zum Beispiel ein Sportler bleibt unterdessen fokussiert und wird „scharf“ dargestellt. Hier wird also die Kamera bewegt, die während der Aufnahme am besten auf einem Einbeinstativ angebracht ist. Die ISO wird gern zwischen 200 und 400 eingestellt und die Belichtungszeit wird möglichst lang jedoch noch unter einer Sekunde gewählt. Leider kann ich selbst keine Bilder mit Mitzieheffekt zeigen, dieses Thema steht in diesem Jahr auf der Fotoagenda.

Bei der Langzeitbelichtung wird im Bild der überwiegende Teil scharf dargestellt, die Kamera wird nicht bewegt. Objekte (Menschen, Züge, Autos, Raumstationen) die sich durchs Bild bewegen verwischen und zeigen sich als Spur im Bild. Die Kamera wird zu diesem Zweck auf einem Stativ befestigt oder auf einem Kirschkernkissen abgelegt. Bildstabilisatoren werden ausgeschaltet. Die ISO bleibt bei 100, damit rauschen nicht das Bild stört. Belichtungszeiten größer eine Sekunde erzeugen den gewünschten Effekt im Bild.

Bewegungsunschärfe und Langzeitbelichtung

Eine Besonderheit bei Langzeitbelichtungen ist, dass der Effekt der Bewegungsunschärfe mit längerer Belichtung sich nachteilig entwickelt. Bilder von menschenleeren Plätzen sind mit sehr langen Belichtungszeiten verwirklicht, so dass die sich bewegenden Menschen im Bild verschwinden. Hier kommen gern Grau- bzw. ND-Filter zum Einsatz. Diese „Sonnenbrillen“ fürs Objektiv sorgen dafür, dass weniger Licht den Sensor erreicht. Nach und nach wird zwar jedes Licht den Sensor erreichen, aber eben nicht die kurzen Reflektionen, die durch sich bewegende Objekte verursacht werden.

Wo und wann fotografiert man Bewegungsunschärfe?

Bewegungsunschärfe – sowohl als Langzeitbelichtungen, als auch der Mitzieheffekt – lässt sich zu nahezu jeder Zeit einfangen. Bei Sportveranstaltungen kann man den Mitzieheffekt einsetzen um die Geschwindigkeit der Bewegung im Bild festzuhalten. Kirmes, Weihnachtsmarkt und abendliche Fototouren laden zu Langzeitbelichtungen ein, bei denen die Bewegungsunschärfe durch Linien ersichtlich wird. Auch Lightpainting ist eine Form der Bewegungsunschärfe die durch Langzeitbelichtung erzeugt wird.

Durch den Einsatz eines ND-Filter erzeugt man Bewegungsunschärfe bis zu einem Punkt, dass nur noch unbewegte Objekte (z. B. Gebäude) auf dem Bild zu sehen sind.

Noch mehr Bilder zum Thema Bewegungsunschärfe finden Sie in meiner Flickr™ Galerie.

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